Infektionswelle

EHEC: Mediziner warnen vor Gemüse

Angesichts der Infektionswelle mit dem gefährlichen Darmbakterium EHEC warnt das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin vor dem Verzehr von rohem Gemüse. Salate, Tomaten und Salatgurken könnten belastet sein, sagte RKI-Präsident Reinhard Burger am Mittwochabend in Berlin. Demnach stieg die Zahl der Infektionen weiter an - auch in der Hauptstadt.

Der Erreger ist deshalb so gefährlich, weil er das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) auslösen kann, das wiederum zum Nierenversagen und zum Tod führen kann. Inzwischen sind laut RKI 140 Menschen an HUS erkrankt, vier Patienten sind bereits gestorben.

Grund für die Warnung ist eine epidemiologische Studie des RKI mit den Hamburger Gesundheitsbehörden. Demnach hätten die EHEC-Erkrankten in Hamburg deutlich häufiger Salat, Tomaten und Gurken gegessen, als gesunde Studienteilnehmer. Seit Freitag waren 25 Erkrankte und 96 gesunde Personen intensiv zu Ernährungsgewohnheiten und anderen möglichen Infektionsquellen befragt worden.

Es werde empfohlen, vorsorglich bis auf weiteres diese Gemüse-Sorten nicht roh zu verzehren. Burger wollte nicht ausschließen, dass auch andere Lebensmittel kontaminiert sein könnten. Nach wie vor sei Norddeutschland am stärksten von EHEC-Infektionen betroffen. Da aber auch bundesweit Erkrankungen aufgetreten seien, könnten auch dort belastete Lebensmittel in den Handel gelangt sein. Burger sprach vom "stärksten EHEC-Ausbruch in Deutschland - in einer Woche mehr Fälle also sonst in Jahren."

Die ärztliche Leiterin des Großlabors Medilys der Asklepios-Kliniken in Hamburg, Susanne Huggett, sagte in der ARD: "Im Moment sieht es so aus, als wenn Salatbars, also vorbereitete Salatteile, eine Rolle spielen." Die Angaben der Betroffenen lassen dem Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt zufolge den Schluss zu, dass Produkte wie Rohmilch, Frischkäse und Rindfleisch als Infektionsquelle ausscheiden könnten.

Unterdessen hat es in Norddeutschland zwei weitere Todesfälle gegeben. Eine 41 Jahre alte Frau aus dem Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen und eine 89-jährige Frau aus Schleswig-Holstein starben. Insgesamt stieg die Zahl der Todesopfer in Verbindung mit EHEC damit auf vier. Schätzungen zufolge sind deutschlandweit mehr als 600 Fälle registriert, die aber noch nicht alle bestätigt sind. Bisher waren vor allem kleine Kinder bis zum vierten Lebensjahr von der Krankheit betroffen, jetzt erkranken überwiegend erwachsene Frauen, stellte das RKI fest.

Auch in Berlin und Brandenburg steigt die Zahl der Infzierten. Für sechs Patienten, die an Berliner Kliniken behandelt werden, liegt ein Labornachweis über die Infektion mit dem gefährlichen Darmkeim vor. Bei drei Patienten gibt es einen HUS-Verdacht. Die Berliner Kranken werden in der Charité und in Vivantes-Häusern behandelt. Das Land Brandenburg bestätigte einen zweiten Verdachtsfall in Frankfurt (Oder), der in Potsdam geprüft werde.

Zudem kommen zahlreiche Menschen in die Berliner Kliniken, die an Durchfall leiden und Angst haben, sich mit EHEC angesteckt zu haben. "Wir haben gestern jedoch keinen weiteren Verdacht auf EHEC festgestellt", sagt Thomas Schneider von der Infektionsstation des Universitätsklinikums Benjamin Franklin in Steglitz. Auch Vivantes-Sprecherin Mischa Moriceau nimmt derzeit zahlreiche Anrufe entgegen. "Wir kommen mit der Beantwortung der Fragen kaum mehr hinterher."

Berliner Gesundheitsämter haben inzwischen ihr Meldeverfahren beschleunigt. Alle zwölf Bezirke sind dazu angehalten, täglich Meldung zu machen.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) riet den Bürgern zu besonderer Vorsicht: "Obst und Gemüse sollten intensiv und sorgfältig gereinigt werden, die Hände sollten regelmäßig gewaschen werden", sagte Bahr am Mittwoch. Die bestehenden Mechanismen seien aber ausreichend, so dass er keinen Anlass zur Einrichtung eines Krisenstabs sehe.