Personalien

"Ruppiges Klima": Berlins Schulsenator Zöllner hört auf

Bildungssenator Jürgen Zöllner gibt sein Amt nach der Abgeordnetenhauswahl im September auf. Der SPD-Politiker, der im Juli 66 Jahre alt wird und seit 2006 das Ressort Bildung, Wissenschaft und Forschung leitet, will nicht länger Senator sein - ganz unabhängig davon, wie die Wahl ausgeht. Ein Politiker solle selbst bestimmen, wann er aufhört.

"Jeder wird verstehen, dass ich nach der langen Zeit etwas anderes machen möchte", sagte Zöllner der Zeitung "Die Zeit". Er begründete seinen Amtsverzicht auch mit den harten politischen Kämpfen in Berlin. "Zeitweise fühlte ich mich recht einsam. Zudem musste ich mich an die Ruppigkeit gewöhnen", sagte Zöllner. Schon beim monatelangen Kampf um die Finanzierung der Charité habe er ans Aufgeben gedacht. "Hätte es nicht einen guten Freund gegeben, ich wäre heute nicht mehr im Amt." Er habe unterschätzt, wie schwierig es in dem überschuldeten Land Berlin gewesen sei, geeignetes Spitzenpersonal zu finden. "Ein Staatssekretär verdient hier eben nicht viel mehr als ein Abteilungsleiter in einem großen Bundesland." Sein Politikstil beruhe auf Konsens und Ausgleich. "In dieser Stadt pflegt man dagegen die harte Kontroverse." Den Lehrern gab Zöllner mit auf den Weg, weniger zu klagen und sich mehr "an den schönen Seiten ihres Jobs" wie der Arbeit mit jungen Menschen zu erfreuen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte am Mittwoch, er respektiere die Entscheidung des Bildungssenators: "Wir haben gut zusammengearbeitet."

Die Oppositionsparteien kritisierten Zöllner. Frank Henkel, Fraktions- und Landesvorsitzender sowie Spitzenkandidat der Berliner CDU, sagte: "Herr Zöllner ist mit Vorschusslorbeeren gestartet, aber er ist ihnen nicht gerecht geworden. Statt Berlin voranzubringen, hinterlässt er große Baustellen." Die wahren Probleme wie Unterrichtsausfall und Lehrermangel habe er nicht angepackt. Auch in der Wissenschaft gebe es große Problemfelder wie beispielsweise die Charité.