Todesopfer

EHEC-Infektion: Erste Fälle in Berliner Kliniken

In den Krankenhäusern der Hauptstadt werden mindestens sechs Patienten mit Verdacht auf eine Infektion mit dem gefährlichen Darmbakterium EHEC oder auf die schwere Folgeerkrankung HUS untersucht. Zwei Fälle liegen in Vivantes-Kliniken in Friedrichshain und in Schöneberg, einer im Krankenhaus Spandau, drei in den Charité-Standorten Virchow und Benjamin Franklin. Die Untersuchungen, ob es sich tatsächlich um den Erreger handelt, laufen noch.

Bis Mitte Mai gab es in Berlin 15 nachgewiesene Erkrankungen durch das EHEC-Bakterium. Ein Kleinkind war schwer erkrankt, ist aber wieder gesund.

In den Berliner Küchen und Kantinen der bundesweit operierenden Sodexo Services GmbH gilt unterdessen Rohkostverbot. Davon sind mehr als 170 Kantinen in Betrieben, Kitas und Schulen betroffen. Die Vorsichtsmaßnahme wird damit begründet, dass einige Mitarbeiter des Rüsselsheimer Unternehmens unter Verdacht standen, sich mit EHEC infiziert zu haben. Allerdings teilte Sodexo am Dienstag mit, dass bislang keine Erkrankung im Betrieb festgestellt werden konnte. In Kooperation mit Behörden forscht Sodexo derzeit vorsichtshalber nach der Ursache und lässt Ware seiner Lieferanten in Laboren analysieren. Das Berliner Studentenwerk hingegen verkauft seinen täglich rund 30 000 Gästen weiterhin frische Salate. Auch in den großen Berliner Kliniken gibt es nach wie vor Rohkost.

An den Folgen der Infektion mit dem Darmkeim Enterohämorrhagische Escheria Coli (EHEC) sind bundesweit bereits drei Menschen gestorben: Eine 83-Jährige am Sonnabend im niedersächsischen Landkreis Diepholz, eine 80-Jährige am Sonntag im Kreis Stormarn (Schleswig-Holstein) sowie eine junge Frau in Bremen in der Nacht zum Dienstag.

Der EHEC-Erreger breitet sich seit einigen Tagen ungewöhnlich stark aus. Besonders betroffen ist vor allem Norddeutschland. In Schleswig-Holstein gab es rund 200 Verdachtsfälle von blutigen Durchfallerkrankungen. Niedersachsen registrierte 96 Fälle und Hamburg 42. In süd- und ostdeutschen Bundesländern gab es bislang lediglich einzelne Verdachtsfälle.

Mediziner wiesen am Dienstag darauf hin, dass nur etwa jeder zweite EHEC-Infizierte auch am hämolytisch-urämischen-Syndrom (HUS) erkrankt. Dabei produzieren die EHEC-Bakterien ein Gift, das die Nieren angreift und zu Nierenversagen führen kann. Erstes Anzeichen von HUS ist blutiger Durchfall. In den vergangenen Tagen sei bei mehr als 80 Erkrankten solch ein schwerer Verlauf mit Nierenschäden registriert worden, sagte Reinhard Burger, der Präsident des Robert-Koch-Instituts am Dienstag in Berlin. Das sei "erschreckend viel". Diese Zahl werde sonst binnen eines ganzen Jahres erreicht. Es müsse daher mit Todesfällen gerechnet werden, sagte Burger.