Kriminalität

50 Prozent mehr Einbrüche in Berliner Wohnungen

Berlin erlebt eine Welle von Einbrüchen. Wie die Zentralstelle für Prävention des Landeskriminalamts Berlin (LKA) am Freitag mitteilte, sind Kriminelle von Januar bis April dieses Jahres insgesamt 2905 Mal in Wohnungen eingebrochen. Das bedeutet eine Zunahme von 47,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Bei Einfamilienhäusern fällt der Anstieg zwar nicht ganz so stark, aber immer noch dramatisch aus. 611-mal wurde in Häuser eingebrochen - eine Zunahme von 33,4 Prozent.

Dabei hatte die Berliner Polizei für das gesamte Jahr 2010 noch einen Rückgang der Einbrüche verzeichnet. Die Zahl der sogenannten Wohnraumeinbrüche war laut der polizeilichen Kriminalstatistik um 1,8 Prozent im Vergleich zu 2009 gesunken - auf 8700 Fälle. Im Gegensatz dazu hatten Wohnungseinbrüche 2010 bundesweit um 6,6 Prozent zugenommen, wie Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Freitag mitteilte.

Die Landespräventionsbeauftragte Susanne Bauer sagte zu den steigenden Zahlen: "Damit bewegen wir uns im Bundestrend." Eine Begründung, warum die Einbrüche so sprunghaft ansteigen, hat die Polizei derzeit offenbar nicht.

Besonders die Innenstadtbezirke sind der Statistik zufolge von Wohnungseinbrüchen betroffen. Dort würden die Einbrecher oft mangelnde Sicherungstechnik bei Fenstern, Wohnungs- und Balkontüren ausnutzen, um sich mit relativ wenig Aufwand Zutritt zu verschaffen, sagte Bauer. Die Einbrecher seien überwiegend junge, oft drogenabhängige Männer, die so ihre Sucht finanzieren wollen. Die Täter hätten es in erster Linie auf Bargeld und Schmuck abgesehen. Um das Entdeckungsrisiko gering zu halten, würden Einbrecher Wohnungen der obersten Etagen oder jene im Erdgeschoss bevorzugen, so die Kriminaldirektorin. "Neben dem Verlust von Wertgegenständen tragen die Opfer nach einem derartigen Erlebnis oftmals psychische Schäden davon. Es ist schlimm, wenn man sich in seiner eigenen Wohnung nicht mehr sicher fühlt", sagte Bauer. Dies gehe zum Teil so weit, dass einige Opfer nach einem derartigen Erlebnis ihre Wohnung aufgeben und in einen anderen Kiez ziehen würden.

Nur zehn Prozent aller angezeigten Wohnraumeinbrüche konnte die Polizei 2010 aufklären. 2009 waren es noch 11,1 Prozent. Je zur Hälfte würden Zeugenhinweise und polizeiliche Ermittlungen zur Ergreifung der Einbrecher führen. Umso wichtiger sei die Prävention.

Die Polizei rät deshalb Mietern und Hauseigentümern, ihre Wohnräume besser zu sichern. So bestehe die Möglichkeit, Fenster und Türen mit zusätzlichen Riegeln nachrüsten zu lassen, um dem Dieb die "Arbeit" zu erschweren. Der Zeitfaktor sei entscheidend, jeden dritten Einbruchsversuch brächen Täter erfahrungsgemäß ab, wenn sie nicht rasch ans Ziel gelangen würden. Auch der Vorsitzende des Innenausschusses Peter Trapp (CDU) forderte die Eigentümer und Mieter auf, die eigenen Wohnungen und Häuser besser zu sichern. Aufgabe der Polizei sei es aber auch, bei erkannten Schwerpunkten mit Sonderstreifen auf die Suche nach Einbrechern zu gehen. "Allerdings gibt es bei der Berliner Polizei ein Grundproblem: Für solche Sondereinsätze fehlen die Reserven."