Demografie

Deutschland altert weltweit am schnellsten

Die Kosten für die Pflege älterer Menschen werden sich bis zum Jahr 2050 in allen Industrieländern mindestens verdoppeln. Dies geht aus einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Der internationale Vergleich zeigt, dass der Pflegebedarf in Deutschland besonders stark zunehmen wird, weil hier die Gesellschaft am stärksten altert.

Der demografische Wandel schaffe zum einen finanzielle Probleme. Zum anderen droht nach Einschätzung der Forscher ein Engpass bei den Pflegekräften. Auch in Berlin, wo 60 Prozent der Rentner allein leben, wird zudem schon länger ein Mangel an altersgerechten Wohnungen beklagt.

"Leider hat Klaus Wowereit auch dieses Thema wie so viele andere Chefsachen liegen gelassen" sagte Frank Henkel, Fraktions- und Landesvorsitzender der Berliner CDU, zum OECD-Bericht der Morgenpost. Berlin sei unzureichend auf den demografischen Wandel vorbereitet. "Es ist alarmierend, dass altersgerechte Wohnungen in Berlin immer knapper werden", so Henkel. Senatssprecher Richard Meng wies die Kritik zurück. Er verwies auf Ideen wie die Förderung der Mehrgenerationenhäuser und eine Senatspolitik, die alle Generationen "zusammendenkt", was der erst kürzlich vom Senat vorgestellte Familienbericht zeige.

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin und SPD-Vize Manuela Schwesig sagte dieser Zeitung: "Die Studie zeigt deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht." Pflegebedarf werde in den kommenden Jahren deutlich steigen, sagte Schwesig und forderte eine "faire Finanzierung durch die Bürgerversicherung".

Fünf Prozent der hiesigen Bevölkerung sind derzeit über 80 Jahre alt. Dieser Anteil verdreifacht sich laut OECD in den kommenden 40 Jahren. Als Folge werden die Pflegekosten von derzeit 1,3 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung bis 2050 auf 2,7 Prozent klettern, prognostizieren die Forscher. Ähnlich wie in allen OECD-Ländern ist auch hierzulande die Familie "das Rückgrat der Pflege", wie es in dem Bericht heißt. Zwei Drittel dieser in der Regel unbezahlten Pflegenden sind weiblich. Da die Familienbande in den meisten Ländern zunehmend lockerer werden und zudem die Frauen häufiger berufstätig sind, drohen ohne tief greifende Reformen Engpässe bei der Versorgung der Pflegebedürftigen.

Die OECD mahnt eine "gezielte Pflegepolitik" in allen Mitgliedsstaaten an. So sollten Menschen, die Angehörige oder Freunde pflegen, staatlich unterstützt werden. Neben finanzieller Förderung seien vor allem Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf unabdingbar. Dazu gehörten flexible Arbeitszeiten und ein Recht auf Pflegezeit.