Nahverkehr

Auch S-Bahn verstärkt Sicherheit

Im Kampf gegen Gewalt und Kriminalität in Zügen und Bahnhöfen verstärken nun auch die Deutsche Bahn (DB) und ihre Tochter, die Berliner S-Bahn, den Einsatz von Sicherheitskräften. Das bestätigte am Freitag der Leiter der DB-Konzernsicherheit, Gerd Neubeck, im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.

Ein konzernweites Konzept setzt vor allem auf die Präsenz von Uniformierten. Derzeit werden deshalb bundesweit 500 neue Wachleute bei der DB eingestellt. Die Zahl der Mitarbeiter der Bahn-Tochter DB Sicherheit steigt von 3200 auf 3700 - in Berlin wurde schon von 200 auf 300 aufgestockt. Hinzu kommen etwa 250 sogenannte Präsenzkräfte, die ebenfalls uniformiert, aber nicht speziell dafür ausgebildet sind, im Ernstfall eingreifen zu können.

Anders als die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) setzt die DB bei ihrer Tochter S-Bahn nicht auf einen Ausbau der Videoüberwachung. "Video hilft bei der Verbrechensaufklärung, schreckt aber nicht ab", sagte Neubeck. Stattdessen soll auch bei der S-Bahn mehr Personal Präsenz auf den Bahnhöfen zeigen. Die Deutsche Bahn setzt dabei seit Langem auf das Konzept gemeinsamer Streifen. Im Jahr 2000 besiegelte der Konzern eine Ordnungspartnerschaft mit der Bundespolizei. Seit 2003 laufen Beamte und DB-Sicherheitskräfte gemeinsam Streife. In Berlin zählte die Bundespolizei im vergangenen Jahr 5000 dieser Einsätze.

Bei der BVG waren diese sogenannten Doppelstreifen 2003 abgeschafft worden. Als Reaktion auf die jüngsten Überfälle in der U-Bahn werden sie jetzt wieder eingeführt. Wie berichtet, hatte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Donnerstag ein neues Konzept für die landeseigenen Verkehrsbetriebe vorgestellt. Nach der Serie von Gewalttaten in der U-Bahn sollen mehr Polizisten, mehr Videokameras und mehr Personal in der BVG-Sicherheitszentrale helfen, das Problem zu lösen. Kurzfristig sollen für Schwerpunkteinsätze im Nahverkehr 60 Polizisten der Einsatzreserve zur Verfügung stehen.

200 zusätzliche Polizisten sollen zudem langfristig in Bahnen und Stationen eingesetzt werden. Weil die Zusatzkräfte allerdings zunächst ausgebildet werden müssen, stehen sie voraussichtlich erst ab 2014 zur Verfügung.

Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix zeigte sich am Freitag über die Senatsinitiative erstaunt. "Wir gehen davon aus, dass wir rechtzeitig einbezogen werden", sagte die Sprecherin der Behörde und Leiterin des zentralen Bereichs der Datenschützer, Anja-Maria Gardain. Bislang hätten die Datenschützer lediglich aus der Zeitung von der Initiative des Senats erfahren. Skeptisch zeigte sich Gardain bei der von Wowereit angekündigten Verlängerung der Löschfrist von Videos von 24 auf 48 Stunden. "Bislang hat noch niemand den Beweis angetreten, dass ein Täter nicht identifiziert werden konnte, weil die Videos zu früh gelöscht wurden", sagte die Behördensprecherin. Für eine Verlängerung sei eine Änderung des Datenschutzgesetzes notwendig. Die ebenfalls angekündigte direkte Ansprache von Personen auf dem Bahnsteig beim Beobachten von Straftaten unterstützen die Datenschützer jedoch. "Wir haben immer die Auffassung vertreten, dass die Videobeobachtung sinnvoll ist, wenn sie ein Eingreifen ermöglicht", so Gardain. Allerdings müsse geklärt werden, in welchen Fällen ein solches Eingreifen erlaubt sei. Ein bloßer Streit darf nach Ansicht der Datenschützer dafür nicht ausreichen.

Trotz der drastischen Fälle der vergangenen Wochen belegt die Kriminalitätsstatistik indes keinen grundsätzlichen Anstieg von Gewalttaten im Nahverkehr. Bei der BVG sinken die Fallzahlen seit Jahren. Anders ist die aktuelle Entwicklung bei der DB und der S-Bahn. Nach einem Rückgang im Vorjahr zeichnet sich in den ersten Monaten des laufenden Jahres wieder ein leichter Anstieg ab, wie Neubeck bestätigte. Bis Ende April gab es in Zügen und Bahnhöfen in Berlin bislang 128 sogenannte Rohheitsdelike wie Körperverletzung oder Raub. In jedem sechsten Fall wurden nicht Fahrgäste, sondern Mitarbeiter der Bahn Opfer von Gewalt.