Sicherheit

Berlin-Trend: Jede zweite Frau hat Angst in der U-Bahn

Ein Großteil der Berliner hat Angst davor, in S- und U-Bahn Opfer von Schlägern und anderen Verbrechern zu werden. Vor allem Frauen fürchten sich: Jede zweite Berlinerin, die den öffentlichen Nahverkehr nutzt, fühlt sich in S- und U-Bahn eher unsicher oder sogar sehr unsicher. Unter den Männern liegt der Prozentsatz bei 37 Prozent, bei beiden Geschlechtern zusammen bei 44 Prozent.

Das hat der Berlin-Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-"Abendschau" ergeben. Infratest Dimap befragte dafür 1003 wahlberechtigte Bürger zwischen dem 6. und 9. Mai - also nach dem Überfall eines 18 Jahre alten Schülers auf einen Mann im U-Bahnhof Friedrichstraße. Dabei ist die Sorge vor Übergriffen in den Verkehrsmitteln keine Frage des Alters. Unter den 18- bis 24-Jährigen ist sie ebenso vorhanden wie bei den Älteren über 60.

Am stärksten ausgeprägt ist die Angst vor Verbrechen unter Berlinern mit niedrigerem Bildungsniveau. Zwei Drittel aller Bürger mit Haupt- oder Volksschulabschluss fühlen sich unsicher. Das dürfte daran liegen, dass diese Menschen oft in sozial schwächeren Quartieren leben.

Der Berlin-Trend macht auch deutlich, für welche politische Partei das Thema besonders wichtig ist. 55 Prozent der CDU-Sympathisanten haben Angst in der Bahn. Von den Wählern der SPD und der Linken teilen jeweils 39 Prozent dieses Gefühl. Bei den Grünen ist es nur jeder Vierte.

Die Angst vor Schlägern, Pöbeleien oder Diebstählen beeinflusst das Leben vieler Berliner ganz konkret. 21 Prozent haben schon oft oder manchmal aus Sorge um die persönliche Sicherheit auf Fahrten mit der S- und U-Bahn verzichtet. Auch hier sind die Frauen stärker betroffen (27 Prozent). Die tatsächliche Zahl dürfte noch höher liegen, weil nur jene Bürger zu ihrem Sicherheitsgefühl in der Bahn befragt wurden, die überhaupt damit fahren. In der Umfrage gab jeder zehnte Befragte an, niemals die S- oder U-Bahn zu nutzen.

Um das Sicherheitsgefühl zu stärken, wollen 51 Prozent mehr Personal von BVG und S-Bahn auf den Bahnhöfen sehen, 46 Prozent setzen auf mehr Streifen von Polizei und Sicherheitsdiensten. Nur 13 Prozent sprechen sich für mehr technische Hilfsmittel wie Videoüberwachung aus. An die Wirksamkeit höherer Strafen glaubt mit neun Prozent nur eine Minderheit. Und dass Zivilcourage der richtige Weg für mehr Sicherheit ist, glauben sogar nur zwei Prozent.

Für die Bürger ist auch klar, wer die Kosten übernehmen sollte: 42 Prozent sehen das Land Berlin in der Pflicht. 39 Prozent die Verkehrsbetriebe. Nur drei Prozent meinen, dass die Kunden diese Kosten tragen sollten. Ein Sicherheitszuschlag von 30 Cent auf die Ticketpreise, wie ihn der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) angedeutet hatte, stößt auf geringe Gegenliebe in der Bevölkerung.

Wowereit selbst diskutiert am heutigen Donnerstag mit Experten die Lage. Anschließend will er über ein neues Sicherheitskonzept informieren. Nach Informationen der Berliner CDU sollen 200 neue Polizisten eingestellt werden. Unterdessen wurde ein 15-Jähriger festgenommen, der mehrere Überfälle in U-Bahnen verübt haben soll. Er wird am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt.