Naturkatastrophe

Der Tag, an dem Rom untergeht

Mit Voraussagen ist das so eine Sache. Das Wetter lässt sich bis zu drei Tage vorherbestimmen - mal mehr, oft auch weniger genau. Gleiches gilt für Vulkanausbrüche. Nur bei Erdbeben mit all ihren furchtbaren Auswirkungen wie in Japan oder 2004 in Indonesien sind die Forscher mit ihrem Latein am Ende. Dennoch glauben viele Römer, dass die Stadt heute am 11. Mai 2011 ein verheerender Erdstoß treffen wird.

Viele Geschäfte werden geschlossen bleiben, zahlreiche Einwohner der Millionenmetropole fahren vorsichtshalber nach Mailand oder Florenz. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti meldete am Dienstag ungewöhnlich viele Anfragen für Ferienhäuser auf dem Land rund um Rom. Wer bleiben muss, überlegt sich, wie er ohne U-Bahn zur Arbeit kommt.

Schuld daran ist Raffaele Bendandi (1893-1979), ein umstrittener Pseudowissenschaftler und Autodidakt. Bendandi glaubte, dass Erdbeben durch kosmische Ereignisse ausgelöst werden, und soll mehrere treffsicher vorausgesagt haben. Am 11. Mai 2011 soll nun Rom ein so verheerendes Beben treffen, dass die Stadt dem Erdboden gleichgemacht wird, meinte Bendandi vor Jahrzehnten herausgefunden zu haben. So will es jedenfalls die Gerüchteküche im Internet.

Das Ganze klingt nicht gerade plausibel, doch die Römer gelten als abergläubisch und gehen auf Nummer sicher. Inzwischen musste der Zivilschutz bereits zahlreiche verängstigte Bürger beruhigen, die Stadtregierung richtete eine Gratis-Hotline ein. Auch die Seismologen des Geophysikalischen Instituts in Rom versuchen, die Panik einzudämmen. Das Institut veranstaltet am Mittwoch einen Tag der offenen Tür. Wissenschaftlicher wollen klarmachen, dass eine Vorhersage von Erdbeben praktisch unmöglich ist, so die Zeitung "La Repubblica". Zudem: "Rom und die Region Latium liegen in einem tektonisch eher ungefährlichen Gebiet", sagte der Seismologe Alessandro Amato. Ein Erdbeben in Rom sei sehr unwahrscheinlich. Die Wissenschaftler dürften Recht haben: Inzwischen dementiert sogar die Bendandi-Stiftung, dass es überhaupt eine Vorhersage geben soll.