Kriminalität

Berlin: Betrug an Geldautomaten steigt drastisch an

"Skimming" heißt die Betrugsmasche, bei der die Täter die Kundendaten ausspionieren, die auf dem Magnetstreifen der EC-Karte gespeichert sind. Die Methode gibt es erst seit einigen Jahren, doch sie breitet sich rasend schnell aus - auch in Berlin. International agierende Banden verursachen in Deutschland so Jahr für Jahr einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe.

Allein 2010 belief sich dieser für Bankkunden auf 60 Millionen Euro, 20 Millionen mehr als im Vorjahr. Das teilte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Berlin mit.

Wie Ziercke dabei sagte, gab es 2010 bundesweit 3183 Fälle, in denen die Täter Geldautomaten manipulierten, um so an die Daten der Bankkunden zu gelangen und damit deren Konten leer zu räumen. Das sind 55 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Etwa jeder sechste Fall spielte sich in Berlin ab, hier registrierte das Landeskriminalamt 498 Manipulationen. Im Vorjahr waren es noch 318 sogenannte Angriffe auf Geldautomaten, bei denen es 3100 Geschädigte gab.

Deutschlandweit wurden laut BKA im vergangenen Jahr bei den registrierten Attacken insgesamt 190 000 Kunden zu Opfern, etwa 60 pro manipulierten Geldautomaten. Das Lagebild zeigt die alarmierende Entwicklung. 2006 wurden bei der Behörde noch 308 Manipulationen an Geldautomaten bekannt, 2008 waren es bereits 2387 und 2010 schließlich 3183.

Die Täter kopieren dabei die ausgespähten Daten der EC-Karten auf Kartenrohlinge, mit denen sie dann meistens im außereuropäischen Ausland Geld von den Konten der Skimming-Opfer abheben. Die Betrügerbanden, deren Mitglieder überwiegend aus Ländern wie Bulgarien und Rumänien stammen, sind straff organisiert und arbeiten mit präziser Aufgabenteilung. Sie haben es besonders auf Geldautomaten in den Zentren der Großstädte abgesehen, die häufig genutzt werden. Die finden sich hauptsächlich in der Nähe von Hauptbahnhöfen, an belebten Plätzen und in Einkaufsstraßen. In Berlin waren in den vergangenen Jahren vor allem Automaten betroffen, die nicht in den kameraüberwachten Vorräumen der Banken stehen, sondern an den Außenfassaden der Gebäude installiert sind. Hier ist das Risiko der Entdeckung für die Täter deutlich geringer. Neben Bankautomaten weiten die Banden ihr Tätigkeitsfeld nach Erkenntnissen des BKA inzwischen auch auf Fahrkartenautomaten in Bahnhöfen aus. Zudem gab es in jüngster Zeit einige Fälle, in denen die Zapfsäulen von nachts nicht besetzten Tankstellen manipuliert wurden.

Angesichts der alarmierenden Entwicklung drängt das BKA laut Ziercke die Banken schon länger, auf die riskante Datenspeicherung auf Magnetstreifen bei den EC-Karten zu verzichten und stattdessen komplett auf Chipspeicherungen umzustellen. Bislang lehnt die Kreditwirtschaft dies jedoch ab, das Magnetstreifensystem sei vor allem bei Abhebungen im Ausland unverzichtbar, heißt es.

Nachgebessert wurde hingegen auf einem anderen Gebiet. Allein in Berlin haben die Banken Hunderte von alten Automaten gegen neue ausgetauscht, die sich schwerer manipulieren lassen. Viele Banken handeln nach Darstellung eines Fahnders allerdings noch nach der Devise, die Erstattung der von den Kunden erlittenen Schäden durch Skimming sei letztlich günstiger als die Umrüstung der Automaten und ihrer Sicherungen.