Grippewelle

Schweinegrippe: Hunderte Impf-Ärzte fehlen in Berlin

Die für den Herbst befürchtete zweite Schweinegrippe-Welle ist in Deutschland angekommen: Das Robert-Koch-Institut (RKI) vermeldet einen deutlichen Anstieg der Krankheitsfälle. Die Zahl der neu infizierten Menschen habe sich binnen zwei Wochen fast verdoppelt, sagte RKI-Präsident Jörg Hacker gestern und rief die Bevölkerung auf, sich impfen zu lassen. "Wenn geimpft wird, dann kann das Virus sich nicht ausbreiten und hat auch nicht die Möglichkeit zu mutieren", sagte Hacker.

In den meisten Bundesländern begannen bereits die Massenimpfungen gegen das H1N1-Virus. In Berlin können sich die Menschen erst ab kommender Woche in den Arztpraxen impfen lassen. Allerdings hat die Senatsverwaltung bislang nur mit 100 Ärzten Impfverträge abschließen können, wie die Sprecherin von Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke), Regina Kneiding, gestern bestätigte. Das sind nur fünf Prozent der benötigten 2000 Kassenärzte, um die Versorgung der Bevölkerung abdecken zu können. Heute sollen die Verträge an die Mediziner verschickt werden. Erst danach dürfen sie den Impfstoff Pandemrix bestellen. Bis auf Weiteres können sich die Berliner nur bei diesen 100 niedergelassenen Ärzten gegen die neue Grippe impfen lassen. Die Praxisadressen sollen auf der Homepage www.berlin.de/impfen veröffentlicht werden. Außerdem würden noch weitere Impf-Ärzte hinzukommen, sagte Kneiding. Ursprünglich wollte die Senatsverwaltung Einheitsverträge mit etwa 2000 Kassenärzten abschließen. Doch die Honorarverhandlungen des Senats mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) scheiterten. Die Ärzte forderten 7,10 Euro pro Impfung. Der Senat will aber nur 5,50 zahlen. Nun muss die Gesundheitsverwaltung mit den Ärzten Einzelverträge abschließen.

Vorrang bei der Immunisierung gegen das H1N1-Virus haben zunächst chronisch Kranke und Menschen mit neurologischen oder neuromuskulären Erkrankungen. In Berlin sind bislang knapp 1000 Menschen an der neuen Grippe erkrankt. Das Robert Koch-Institut (RKI) rechnet mit einem weiteren Anstieg. Neue Todesfälle und schwerere Krankheitsverläufe seien für die Zukunft nicht auszuschließen. RKI-Präsident Hacker wertete es als "Warnsignal", dass in Deutschland eine vierfache Mutter ohne Vorerkrankungen an Schweinegrippe gestorben ist. Nach RKI-Angaben wurden bislang in Deutschland jedoch keine mutierten H1N1-Viren entdeckt. Es sei auch noch kein Fall von Resistenz gegen das Grippemittel Tamiflu bekannt geworden. Ende Oktober registrierte das RKI 3075 Fälle der neuen Grippe pro Woche.