BVG

Doppelstreifen sollen Bahnhöfe sicherer machen

Nach mehreren schweren Gewalttaten in Berliner U-Bahnhöfen gehen Beamte der Polizei und Sicherheitskräfte der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wieder gemeinsam auf Streife. Am Donnerstag waren die ersten vier der sogenannten Doppelstreifen unterwegs, zunächst in Neukölln. Das bestätigte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost.

Die Streifen waren 2003 - unter anderem aus Kostengründen - eingestellt worden. Nach den Übergriffen auf Fahrgäste in den Bahnhöfen Lichtenberg, Friedrichstraße und Amrumer Straße hatte die BVG die Polizei um Hilfe ersucht. In welchem Umfang und mit welchem Einsatzkonzept die gemeinsamen Streifen künftig für mehr Sicherheit sorgen können, ist nach BVG-Angaben aber noch offen. Nach einem ursprünglichen Vorschlag könnten die Teams besonders in den Abend- und Nachtstunden an Bahnhöfen unterwegs sein, die als Kriminalitätsschwerpunkte gelten. Zuletzt waren neun oder zehn Stationen im Gespräch, darunter die Bahnhöfe Neukölln, Hermannplatz, Kottbusser Tor, Zoologischer Garten, Alexanderplatz, Lichtenberg und Friedrichstraße.

Polizeisprecher Frank Millert sagte, die BVG mache damit von einem Angebot der Polizei Gebrauch, welches den Verkehrsbetrieben im März unterbreitet worden war. Es beinhaltet gemeinsame Streifen zu bestimmten Zeiten, die jederzeit vereinbart und durchgeführt werden könnten. Über den Zeitpunkt entscheide die BVG. Damit sei nicht die Wiedereinführung der alten Doppelstreifen gemeint, die eine Art bewaffnete Unterstützung von Fahrscheinkontrollen darstellten. Vielmehr beinhalte das Konzept seit Längerem einen zunehmenden gemeinsamen Einsatz in bestimmten Bahnhöfen. Nach Angaben Millerts wurden 2006 noch 52 000 solcher Einsatzkräftestunden geleistet. 2010 waren es bereits mehr als doppelt so viele mit 106 000 Stunden: "Dies entspricht der Jahresarbeitsleistung von 70 Beamten."

Die Polizeigewerkschaft GdP begrüßt das zusätzliche Engagement, mahnt aber gleichzeitig an, diese zusätzlichen Aufgaben mit einer entsprechenden Personalpolitik zu begleiten, so GdP-Landesgeschäftsführer Klaus Eisenreich. Insgesamt gibt es im Berliner U-Bahn-Netz 173 Bahnhöfe, was die Suche nach dem richtigen Weg offenbar erschwert. Ein Diskussionspunkt ist die Festlegung auf die sogenannten Schwerpunktbahnhöfe.

Im Fall des Übergriffs auf einen 29-Jährigen, der am Sonnabend vor Ostern im U-Bahnhof Friedrichstraße bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen und getreten wurde, hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage erhoben. Dem 18-jährigen Tatverdächtigen aus Heiligensee wird versuchter Totschlag vorgeworfen.