Terror

Al-Qaida plante Bombenanschlag in Düsseldorf

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Die drei festgenommenen mutmaßlichen Mitglieder des Terrornetzwerks al-Qaida wollten in Deutschland mit einer Splitterbombe ein Blutbad anrichten. Das teilte der stellvertretende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum am Sonnabend in Karlsruhe mit.

Allerdings hätten sie noch nicht entschieden, wo sie zuschlagen wollten. Eine Ermittlungsrichterin des Bundesgerichtshofs erließ Haftbefehl gegen die Verdächtigen.

Wie Griesbaum weiter ausführte, hätten die Männer geplant, einen mit Metallteilen versetzten Sprengsatz in einer größeren Menschenmenge explodieren zu lassen. Die drei am Freitag in Düsseldorf und Bochum Festgenommenen seien "noch in der Experimentierphase" gewesen. Ein mögliches Ziel für einen Anschlag hätten Großveranstaltungen im Raum Düsseldorf sein können. Am 14. Mai finden dort etwa der Eurovision Song Contest, zwei Wochen später der Börsentag und vom 3. bis 5. Juni der Christopher Street Day statt. Den abgehörten Gesprächen in einer Düsseldorfer Wohnung zufolge hatten die Beschuldigten daneben auch darüber nachgedacht, den Sprengsatz "an einer Bushaltestelle oder in einem Bus" zu zünden.

Wie der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, sagte, suchten die Beteiligten im Internet noch nach elektronischen Bauteilen sowie nach sogenannten Bombenkochbüchern, also Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen. Außerdem versuchten sie, Wasserstoffperoxid, Aceton und weitere Materialien zu beschaffen. Zuletzt versuchten demnach zwei der Männer, aus Grillanzündern Hexamin zu gewinnen, um damit einen Zünder für die Bombe herzustellen. Fertiger Sprengstoff wurde entgegen ersten Berichten nicht sichergestellt, wohl aber ein Behältnis, in dem möglicherweise Sprengstoff aufbewahrt wurde. Insgesamt durchsuchten 108 Einsatzkräfte von BKA, GSG 9 und der Polizei sechs Wohnungen.

Hauptverdächtiger ist der 29-jährige Marokkaner Badeladim El-K. Er soll Anfang 2010 in ein Ausbildungslager von al-Qaida im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gereist sein. Dort soll er von einem hochrangigen Al-Qaida-Mitglied den Auftrag erhalten haben, in Deutschland einen Sprengstoffanschlag zu verüben. Die Al-Qaida-Führung in Afghanistan verfolge spätestens seit Anfang 2010 das Ziel, in Europa, einschließlich Deutschland, Terroranschläge zu verüben. Diese sollten sich den Erkenntnissen zufolge "gegen repräsentative Gebäude und größere Menschenmengen" richten, sagte Griesbaum, der Leiter der Abteilung Terrorismus bei der Bundesanwaltschaft ist.

Auch gegen die beiden Komplizen von El-K., den 19-jährigen Deutsch-Iraner Amid C. und den 31-jährigen Deutsch-Marokkaner Jamil S. wurde am Sonnabend Haftbefehl erlassen. S. sollte den Ermittlungen zufolge für die notwendigen finanziellen Mittel sorgen.

Die Ermittler hatten die Festnahme nach sechs Monaten Observation vorgezogen. Grund war der Bombenanschlag am Donnerstag in Marrakesch, den die drei in den abgehörten Gesprächen "freudig begrüßt" hätten. Bei dem Attentat wurden 16 Menschen getötet. Marrakesch hätte ein stimulierendes Ereignis sein können", sagte Ziercke. Auch deshalb hätten sich die Fahnder zu einer schnellen Festnahme entschlossen, obwohl die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen waren. Der BKA-Präsident betonte mit Blick auf die allgemeine Sicherheitslage: "Wir können keine Entwarnung für Deutschland geben und müssen weiter mit Anschlägen islamistischer Terroristen rechnen." Ziercke geht davon aus, dass die drei Beschuldigten Teil eines Netzwerks sind, zu dem "mindestens sieben bis acht Personen" gehören.