Fusionspläne

Charité und Vivantes rücken zusammen

Charité und Vivantes, die zwei landeseigenen Klinikkonzerne, verstärken ihre Zusammenarbeit. Laut einem Bericht ans Abgeordnetenhaus, der der Berliner Morgenpost vorliegt, haben sich beide Unternehmen auf mehrere Kooperationen verständigt, die ein Einsparpotenzial von 36 Millionen Euro pro Jahr bringen könnten.

Neben dem Leitprojekt, einem Riesenlabor, das bereits im Aufbau ist, soll auf mindestens fünf weiteren Feldern gemeinsam gewirtschaftet werden. Zu den betroffenen Bereichen zählen Einkauf, Catering, Gebäudebewirtschaftung, Verwaltung und Krankenhausversorgung.

Laut Charité und Vivantes zählt der Einkauf zu den vielversprechendsten Projekten. 15 Millionen Euro Einsparungen erhoffen sich die Klinikleitungen, wenn bei Arzneien und Gerätschaften weiter standardisiert würde. Große Hoffnungen liegen auch im Bereich der Krankenhausversorgung. Als Beispiel wird die Schließung der Geburtshilfe am Campus Benjamin Franklin (CBF) angeführt, die 1,5 Millionen Einsparungen erbrachte. Das benachbarte Vivantes hat die Patienten übernommen. Diesem Trend folgend, sollten künftig Einsparungen von 10,5 Millionen Euro pro Jahr möglich sein.

Die Charité hat sich bislang stets zurückhaltend zur Fusionsmöglichkeit beider Krankenhauskonzerne geäußert. Charité-Chef Karl Max Einhäupl unterstreicht bei der Gelegenheit stets das primäre Ziel, an den drei Berliner Standorten - Mitte, Wedding und Steglitz - die Forschung voranzutreiben. Wesentlich wohlwollender beurteilt Vivantes-Chef Joachim Bovelet den Gedanken der Fusion. In Anspielung auf die Situation zweier Konzerne, die in vielen Bereichen um Patienten konkurrieren, betonte er jüngst: "Wir sitzen öfter zusammen, als die Leute denken, und uns fallen immer wieder neue Möglichkeiten ein, die beiden nützen könnten."

Anders als Vivantes, das im vergangenen Jahr einen Gewinn von 1,6 Millionen Euro erwirtschaftete, ist besonders die finanziell angeschlagene Charité dringend auf Einsparungen angewiesen. In diesem Jahr muss sie ein Defizit von 17 Millionen Euro und 500 von insgesamt 3200 Betten abbauen, außerdem in die marode Infrastruktur investieren. Jetzt droht auch noch ein unbefristeter Streik des Pflege- und Technikpersonals, der mehrere Millionen Euro kosten könnte.

Die Reaktion der Berliner Abgeordneten auf das Vorhaben reichte von Spott bis zu positiver Überraschtheit. "Die Charité hat die letzten Monate bewiesen, dass sie auf dem richtigen Weg ist", sagte Thomas Isenberg, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD. Er lobte das Leitprojekt, das gemeinsame Riesenlabor, als "strategisch klug". Rund 500 Mitarbeiter werten hier über 20 Millionen Laborproben pro Jahr aus. Heidi Kosche, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, erscheint das drei Seiten starke Strategiepapier dagegen "etwas windbeutelhaft". "Da frage ich mich doch, warum das nicht schon vor zwei Jahren passiert ist, wenn das plötzlich so leicht geht", sagte sie. Vor allem beim gemeinsamen Einkauf bleibt sie skeptisch. "Meiner Ansicht nach lassen sich über größere Bestellmengen keine Preisrabatte auf dem Markt mehr erzielen", so Kosche. Noch schärfer formuliert es Kai Gersch von der FDP, der das Papier sogar als "Seifenblase" abtut. "Das sind geschönte Zahlen, die Charité steht unter Druck, sie will von anderen Problemen ablenken", sagte er.