Forschung

Wenn die Nerven schlafen

Mysterien des Alltags. Wir suchen verzweifelt nach den Schlüsseln, der Brille, den Cornflakes - doch vergeblich. Die Cornflakes-Packung steht im Kühlschrank, die Milch hat sich stattdessen ins Regal verirrt.

Wir haben jedoch dafür nicht den Spott der Mitmenschen verdient, sagen Forscher der Universität von Wisconsin in Madison. Sie entdeckten, dass Fehler nicht immer die Folge von mangelnder Konzentration sind. Sie können auch auf das Konto von kurzzeitig schlafenden Nervenzellen gehen.

Bisher nahmen Experten an, dass Übermüdung stets das ganze Gehirn betrifft und zum Sekundenschlaf führen kann. Die neue Erkenntnis: Bereits bevor ganze Areale sich eine Auszeit gönnen, kommt es zu kurzen Schlafperioden einzelner Zellen. Diese dauern nur rund 80 Millisekunden und werden als Mikroschlaf bezeichnet.

Für ihre in "Nature" veröffentlichte Studie statteten die Wissenschaftler Ratten mit kleinen Hirnsonden aus, die die Aktivität einzelner Nervenzellen messen konnten. Um die Ratten über ihren Schlafpunkt hinaus wachzuhalten, beschäftigten die Forscher sie mit immer neuem Spielzeug. Außerdem boten sie den Ratten Zuckerstücke, die sie mit einer Pfote erreichen mussten. Je länger die Ratten aber wach blieben, desto öfter verfehlten sie den Zucker. Die Messungen zeigten, dass den Fehlern häufig Mikroschlafereignisse vorangingen, in denen einzelne Nervenzellen ein Nickerchen hielten. Mit zunehmendem Schlafdefizit wurden die Abstände zwischen diesen Ereignissen kürzer.

Dabei trat der Mikroschlaf immer nur in einem Hirnabschnitt auf, nicht aber gekoppelt in verschiedenen Bereichen. Die Forscher schließen daraus, dass es kein zentrales Kommando "jetzt schlafen" gibt, sondern jede Nervenzelle eigenständig in Schlaf fällt. Wenn wir also mal wieder etwas verlegt haben, dann war vielleicht gerade eine Nervenzelle einfach zu müde.