Justiz

Überfall in U-Bahnhof: 18-Jähriger wieder frei

Nach dem brutalen Übergriff auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße ist der 18 Jahre alte Hauptverdächtige bereits wieder auf freiem Fuß. Der junge Mann war am Sonnabend bei einem Polizeiabschnitt in Reinickendorf erschienen und hatte gestanden, in der Nacht zuvor einen 29-Jährigen bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen und getreten zu haben.

Ein Ermittlungsrichter erließ gegen ihn zwar Haftbefehl, setzte diesen jedoch außer Vollzug. Der 18-Jährige muss sich jetzt dreimal die Woche bei der Polizei melden. Das 29 Jahre alte Opfer wurde am Montag aus dem Krankenhaus entlassen.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zeigte sich angesichts der Attacke erschrocken. Es zeige sich aber erneut, "dass die Videoüberwachung Früchte trage", sagte Körting der Berliner Morgenpost. Die Täter seien so schnell gefasst worden, weil sie wussten, dass sie erkannt werden würden. Die Polizei hatte zur Fahndung Bilder der Überwachungskamera im U-Bahnhof Friedrichstraße veröffentlicht. Mit jedem gefassten Täter erscheine das Risiko für künftige Täter größer, sagte Körting. "Insofern trägt die Videoüberwachung auch zur Prävention bei und widerlegt die Bedenken, die seinerzeit die Grünen und der Datenschutzbeauftragte ständig geltend gemacht haben."

Berlins CDU-Chef Frank Henkel forderte, Polizei und Justiz müssten "härter und schneller durchgreifen" können. "Bei Straftaten dieser Art muss die Strafe auf dem Fuß folgen", sagte Henkel. Er schlug dafür die Einführung von erzieherischen Maßnahmen wie "Warnschussarrest", Fahrverboten und schärferen Meldepflichten vor. Auch sollten 18- bis 21-Jährige bestraft werden wie Erwachsene. Henkel plädierte dafür, die BVG solle mit großen Schildern auf die Videoüberwachung hinweisen. "Das könnte den gleichen Effekt haben wie die Warnung vor Blitzern bei Autofahrern - da fahren alle sofort langsamer", sagte Henkel. Ähnlich äußerte sich CDU-Landesvorstandsmitglied Burkard Dregger. Man wolle BVG und S-Bahn zum Einsatz von mehr Sicherheitspersonal veranlassen und einen ehrenamtlichen Polizei- und Ordnungsdienst aufstellen, der die Polizei beim Streifegehen entlasten solle.