Wirtschaft

Tourismus-Boom: "Berlin hat das Beste noch vor sich"

Berlin ist ein begehrtes Reiseziel, auch zu Ostern sind wieder Millionen Touristen in die Stadt gekommen. Und der Boom wird sich fortsetzen: Berlins Tourismuschef Burkhard Kieker erwartet weiteren Zuwachs. "30 Millionen Übernachtungen im Jahr 2020 sind realistisch", sagte Kieker der Berliner Morgenpost.

Berlin habe die dafür nötige Attraktivität und Lebendigkeit, so der Chef der Marketinggesellschaft VisitBerlin.

Im vergangenen Jahr wurden 20,8 Millionen Übernachtungen in der deutschen Hauptstadt registriert. Auch das ein Rekord. "Unsere Stadt hat das Beste noch vor sich", sagte Kieker. Allein für Ostern wurde mit zwei Millionen Berlin-Besuchern gerechnet. Laut einer Sprecherin von VisitBerlin sei für das "überdurchschnittlich hohe Besucheraufkommen" neben dem guten Wetter auch der Umstand verantwortlich, dass Ostern dieses Jahr erst sehr spät sei und damit in die Hauptsaison falle. Vor allem Hotels der unteren Preiskategorie seien ausgebucht. Insgesamt melde die Hotelbranche bis zu 20 Prozent mehr Buchungen als im vergangenen Jahr.

Kieker erwartet allerdings trotz des Oster-Booms im laufenden Jahr keinen Zuwachs im zweistelligen Prozentbereich. Grund sei vor allem die Luftverkehrsteuer, die die schwarz-gelbe Bundesregierung eingeführt hat. "Der Low-Cost-Verkehr stagniert, die Fluggesellschaft Ryanair hat zahlreiche Flugverbindungen gestrichen, vor allem innerdeutsche", erklärte Kieker.

So verzeichnet die Marketinggesellschaft niedrigere Zuwachsraten bei deutschen, aber vor allem bei japanischen Touristen, die nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe nun fernbleiben. Zuwächse gibt es aber vor allem in den sogenannten BRIC-Märkten, also Brasilien, Russland, Indien und China. "Die sind ein Riesenpotenzial für uns", sagte Kieker. 2010 gab es allein bei den Touristen aus Brasilien ein Wachstum von 51,4 Prozent. Darüber hinaus reisen immer mehr russische Touristen nach Berlin - hier gab es 2010 einen Zuwachs von rund 30 Prozent.

Um die Menschen in die Stadt zu holen, werben Kieker und seine Mitarbeiter direkt vor Ort in den anderen Ländern. Nicht nur mit Berlin als Reiseziel generell, sondern auch mit Berlin als Gesundheits- und Wellness-Standort. "Wir haben eine der modernsten Kliniklandschaften der Welt - mit der Charité, Vivantes, dem Herzzentrum", sagte Kieker. Vor allem Menschen aus arabischen Staaten, den USA und Russland kämen nach Berlin, um sich hier behandeln zu lassen. Aber auch als Wellness-Standort ist die Stadt weltweit attraktiv. "Es gibt in Berlin großartige Spa-Landschaften in fast jedem Fünf-Sterne-Hotel."

Doch trotz positiver Entwicklung gibt es auch Probleme. Der Großflughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) nimmt frühestens im Sommer 2012 seinen Betrieb auf, in den Innenstadtvierteln klagen die Berliner über zu viele Hostels und die Umwandlung von Wohnungen in Ferienwohnungen. Und fast alle Parteien wollen eine neue Abgabe, die sogenannte City Tax, einführen. Von diesem Projekt ist Kieker aber nicht überzeugt: Wenn sich die Steuer nicht vermeiden lasse, dann dürfe man auf keinen Fall die Fehler anderer Städte wiederholen. "Köln hat die City Tax eingeführt und leidet darunter, denn die Kongresse finden nun in Bonn oder Düsseldorf statt", sagte Kieker. Zudem spricht er sich dafür aus, die Zweckentfremdung von Wohnungen zu verbieten. "Wir müssen darauf achten, dass wir nicht einen großen Vorteil von Berlin - nämlich bezahlbaren Wohnraum zu haben - gefährden", so der Tourismus-Chef.