Verkehr

Biosprit E10 macht Benzin noch teurer

Pünktlich zu Ostern haben die Benzinpreise in Deutschland ein neues Allzeithoch erreicht. Mit dafür verantwortlich ist offenbar auch der umstrittene Biosprit E10, dessen Einführung die Mineralölkonzerne Millionen kostet. ADAC-Präsident Peter Meyer geht zudem von "Mitnahmeeffekten" der Firmen zu den Osterferien aus.

Dagegen wehren sich die Benzinproduzenten.

Der Benzinpreis hat am Freitag der vergangenen Woche einen Rekordwert erreicht. Aus einer Untersuchung des ADAC geht zudem hervor, dass der Liter Benzin und Diesel an Freitagen im Jahresschnitt 3,4 beziehungsweise 3,7 Cent mehr kostet als an einem Sonntag. Allein schon deshalb befürchtet der Klub unmittelbar vor Ostern weitere Erhöhungen. Zurzeit kostet ein Liter Super E10 rund 1,58 Euro.

Mitverantwortlich für die hohen Preise dürften auch die hohen Kosten für die E10-Einführung sein. Um das ungeliebte E10 attraktiv zu machen, haben alle großen Konzerne einen Preisabstand von fünf bis acht Cent zum "normalen" Super E5 eingeführt: E10 ist damit die günstigste Sorte. Trotzdem ist es ein Ladenhüter. Nach Aussagen des Branchendienstes "Brennstoffspiegel" rechnen die Tankstellenbetreiber gerade noch mit einem Absatzanteil von 30 Prozent. Das reicht bei Weitem nicht aus, die gesetzliche Absatzquote zu erfüllen. Damit sind Strafzahlungen fällig.

Branchenexperten sprechen bereits von einem E10-Effekt. "Es ist davon auszugehen, dass die Ölkonzerne jetzt schon die Strafgelder in die Preise hineinrechnen", sagte Heino Elfert, Herausgeber des "Energie Informationsdienstes" (EID). "Dieser Effekt kann derzeit zwei bis drei Cent im Literpreis ausmachen."

Auf die Frage, wie stark der E10-Effekt auf den Preisen lastet, sagte BP-Deutschlandchef Uwe Franke der Berliner Morgenpost: "Darüber zu spekulieren ist müßig. E10 ist Fakt, und wir setzen alles daran, zu seiner Marktdurchdringung beizutragen." Es stimme aber, dass die Einführung von E10 "und die damit zusammenhängenden Investitionen in Produktion, Logistik und Vertrieb" die Mineralölwirtschaft einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet habe. Sollten die Autofahrer weiter so zurückhaltend sein, könnten die Preise sogar erneut steigen: Der für die Kunden günstigste Weg, die Bioquote zu erfüllen, "führt über die Beimischung von Ethanol E10", so Franke.

ADAC-Präsident Meyer wirft den Konzernen dagegen vor, dass vor allem der Preis für die E5-Bestandssorten zu hoch sei. Schuld seien eine verfehlte Einführungs- und Informationspraxis der Ölkonzerne sowie die Missachtung der Bestandsschutzregelung. "Die Konzerne haben einfach das teurere Super Plus mit 98 Oktan statt des Super 95 angeboten", sagte Meyer der Morgenpost. "Die Unternehmen müssen ein echtes E5-Super mit 95 Oktan anbieten und dies zu einem fairen Preis." Gleichzeitig räumt er aber ein, dass die Benzinpreise auch aufgrund des deutlich teureren Rohöls gestiegen seien. So argumentiert auch BP-Manager Franke. Dennoch wirft Meyer den Mineralölkonzernen "rein am Gewinn orientierte Mitnahmeeffekte durch Preiserhöhungen" vor, die "rund um Feiertage wie Ostern oder Weihnachten mit entsprechenden Ferien" noch stärker ausgeprägt seien als in normalen Wochen - ein Vorwurf, den BP zurückweist. Der Preis bilde sich am Markt.