Ai Weiwei

Ein Signal für die Freiheit der Kunst

Berlin setzt ein Signal: Chinas bekanntester und regimekritischer Künstler Ai Weiwei soll künftig als Gastprofessor in Berlin Studenten an der Universität der Künste unterrichten. Die Verhandlungen für seine Besetzung laufen bereits seit Dezember 2010, doch die Inhaftierung Ai Weiweis Anfang April hat die Entscheidung offenkundig beschleunigt.

"Die Universität der Künste Berlin steht für die Freiheit der Kunst und mithin für die Freiheit der Künstler", sagte Martin Rennert, Präsident der Universität der Künste. "Wir berufen keinen Dissidenten, sondern einen herausragenden und wesentlichen Exponenten der zeitgenössischen Kunst." Man habe über Ais Büro in Hongkong Kontakt aufgenommen und einen Brief an Ais Ehefrau versendet. Auch die chinesischen Behörden wurden informiert. Eine Reaktion gab es allerdings nicht, so Rennert.

Olafur Eliasson, einer der international berühmtesten Gegenwartskünstler, seit 2008 Professor an der Universität der Künste und Leiter des Instituts für Raumexperimente, hat sich stark für Ai Weiweis Berufung eingesetzt. Er ist in regelmäßigem Kontakt zu Ais Studio, zuletzt vor zwei Tagen, doch weiterhin gibt es keinen Hinweis auf den Verbleib des Künstlers. Eliasson beabsichtigt, Ai Weiwei auch in die Arbeit seines Instituts einzubinden. Finanziert wird die Gastprofessur von der landeseigenen Einstein Stiftung.

Nun hängt alles von der Freilassung des international bekannten Künstlers ab. Die Universität will ihr Angebot so lange offen halten, bis sie mit dem Künstler gesprochen hat. "Der Zeitpunkt der Bekanntgabe", sagt Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), "ist eine eindeutige Positionierung im Konflikt um Ai Weiwei." Er hoffe nur, dass die Berufung weder für den Künstler noch für die deutsch-chinesischen Beziehungen zum Nachteil werde. Die Entscheidung darüber liegt nun bei den chinesischen Behörden.