Karaseks Woche

Googlerund

In seinem neuen Album "Der ganz normale Wahnsinn" singt Udo Jürgens in einem Song "Du bist durchschaut" sich seinen Spott und Hohn über das Internet aus der Kehle und von der Seele. Die lustigste Zeile heißt: "Die Welt ist eine Google".

Nun ist er dabei von dem Schriftsteller Peter Glaser des Plagiats beschuldigt worden, nicht ganz ernst gemeint, aber dennoch. Die gleiche Zeile war am 13. April 2005 die Überschrift in Glasers "Glaserei"-Blog. Scheinbar hat Glaser das dem Udo Jürgens nicht übel genommen, denn er ließ sich von der "Süddeutschen Zeitung" so zitieren: "Wir müssen freundlich zu Udo sein, weil meine Mutter ein großer Udo-Fan ist."

Gleich alt mit dem berühmten Liedermacher, empfinde ich gerade diesen Satz als einen Tiefschlag. Udo ist also für ihn von vorgestern, da darf man das. Allerdings gab Glaser zu, dass auch er das Wortspiel schon vorgefunden und nicht erfunden hat.

Ich kenne es auch schon längere Zeit, zum Beispiel als österreichischen Napfkuchen, immer wenn ich aus Versehen einen Sprung ins Internet mache, finde ich einen "Googlehupf". Und Heinrich Hoffmanns "Suppenkaspar" im "Struwwelpeter" googelt sich (oder: googlet sich?) durch die Geschichte: "Der Kaspar, der war kerngesund/ ein dicker Bub und googlerund". Jedenfalls solange er brav seine Buchstabensuppe aß.

Glaser hat dann auch gerne noch ein paar andere Internetstellen zur freien Plagiatsverfügung gestellt, zum Beispiel den Slogan "Wörter zu Fluchscharen" als Echo auf die DDR-Friedenslosung "Schwerter zu Pflugscharen" oder "Sag zum Abschied leise ,Service'" oder gar "Unfall auf der Datenautobahn - zwei Schwervernetzte". Da bin ich allerdings schon bei meinem Apotheker. Der hatte neulich während der Dienstzeit geschlossen, und ein Kunde, der Hustensaft brauchte, sah ihn durch die Scheibe mit der Assistentin schmusen. Kurz darauf öffnete der Apotheker und sagte: "Entschuldigung, ich habe ein Nickerchen gemacht." Darauf der Kunde: "Ich weiß, ich hab es durchs Nenster gesehen."

Vernetzt oder verletzt, das ist hier die Frage. Net oder fett, dünn oder googlerund.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost