Pädophilenring

Lehrer verhaftet: Schule richtet Opfer-Hotline ein

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen einen 67 Jahre alten Lehrer der Waldorfschule im Märkischen Viertel hat die Schulleitung eine Hotline für potenzielle Opfer des Pädagogen eingerichtet. Johan E. wird vorgeworfen, seit 2002 in mehr als 20 Fällen in Berlin und Haiti Kinder sexuell missbraucht zu haben.

Er ist wie der 57 Jahre alte Verdächtige John B. Vorstandsmitglied eines Berliner Vereins, der sich um Hilfsprojekte für Waisenkinder in Haiti kümmert. Eben dieser Verdächtige war wie berichtet Mitte Februar zusammen mit einem in Berlin lebenden 26-jährigen Brasilianer beim Einschleusen eines elfjährigen Jungen aus Haiti in München verhaftet worden. Nach Angaben eines Ermittlers mehrt sich in Polizeikreisen der Verdacht, dass seit Gründung der Hilfsorganisation 2001 Dutzende Kinder aus dem Dritte-Welt-Land nach Berlin geschleust wurden, um an Pädophile vermittelt zu werden.

Die Schulleitung teilte gestern mit, am 13. April von der Polizei über das Verfahren gegen ihren Lehrer informiert worden zu sein. "Die Schulgemeinschaft ist über die vermutete Beteiligung des Lehrers an diesen furchtbaren Verbrechen zutiefst schockiert. Bisher haben wir keine Erkenntnisse darüber, dass auch Schülerinnen und Schüler unserer Schule davon betroffen sind, haben aber vorsorglich eine Kontaktnummer eingerichtet, an der sich gegebenenfalls Betroffene wenden können", hieß es in einer Stellungnahme. Der Lehrer ist mit sofortiger Wirkung von seiner Unterrichtstätigkeit freigestellt, ein Hausverbot wurde ausgesprochen. Der Tatvorwurf werde "sehr ernst genommen" und die Suspendierung aufrechterhalten, bis die Sachlage eindeutig geklärt sei.

Im Zuge der Ermittlungen der Kriminalpolizei stellte sich heraus, dass der Hilfsverein ein Kinderheim für Waisen aus dem vom Erdbeben verwüsteten Haiti in Punta Cana in der Dominikanischen Republik unterhält. Nach Informationen dieser Zeitung befinden sich dort derzeit zwölf Kinder. "Wir gehen davon aus, dass die beiden Vorstandsmitglieder seit mindestens 2008 regelmäßig in diesem Heim waren und sich dort an den elternlosen Kindern vergangen haben. Der verhaftete Brasilianer war offenbar sexuell nicht aktiv, sondern hat sich dem Anschein nach um das Schleusen der Kinder gekümmert. Es muss in Berlin eine Menge Abnehmer geben", so ein ranghoher Beamter. Von der Auswertung einer bei dem 57-Jährigen sichergestellten Fotokarte erhoffen sich die Behörden genau dazu Erkenntnisse. "Es sind Nacktfotos von dem Beschuldigten, anderen Erwachsenen und Kindern. Es muss sich dabei um Persönlichkeiten mit ausreichend Geld handeln, denn allein die Schleusung kostet die Organisation eine Menge Geld." Von den Flugtickets abgesehen soll der Brasilianer allein 5000 Euro dafür versprochen bekommen haben, den Elfjährigen im Februar nach Deutschland zu bringen - zur Tarnung hatte er sich als sein leiblicher Vater ausgegeben, den bayerischen Bundespolizisten waren die gefälschten Dokumente aufgefallen.

Dass das Kind für die sexuelle Ausbeutung vorgesehen war und dass es bereits wartende pädophile Kunden gegeben haben muss, geht nach Informationen dieser Zeitung aus einer Äußerung des beschuldigten 57-jährigen John B. hervor. Dem Kleinen soll er vor der Abreise nach Deutschland gesagt haben: "Ich habe jetzt genug Geld für dich ausgegeben, jetzt musst du diese Schulden in Berlin abarbeiten."