Bildung

Deutsche wollen ein einheitliches Schulsystem

Die Deutschen sind mit ihrem Bildungssystem sehr unzufrieden. Um an den Zuständen etwas zu ändern, wären 73 Prozent sogar bereit, höhere Steuern zu zahlen. Für Verbesserungen im Bereich Gesundheit wollen dagegen nur 45 Prozent mehr ausgeben, für Umweltschutz nur 41 Prozent. Das sind Ergebnisse der größten Studie zum Thema Bildung, die es je in Deutschland gab. Initiatoren waren Roland Berger Strategy Consultants, die Bertelsmann Stiftung, die "Bild"-Zeitung und "Hürriyet".

Der Bildungsföderalismus hat in der Bevölkerung jeden Rückhalt verloren. 83 Prozent sehen in der Konkurrenz der Bildungssysteme keinen Vorteil. Nur acht Prozent wollen, dass es in den Bundesländern unterschiedlichen Schulstoff gibt, 92 Prozent treten für gemeinsame Abschlussprüfungen ein. Das Schulsystem soll einheitlicher werden, das ist die Botschaft der Studie, die zwar nicht repräsentativ ist, doch wegen ihrer hohen Teilnehmerzahl überzeugende Schlüsse erlaubt.

Großen Zuspruch kann das Modell Ganztagsschule für sich beanspruchen. Nur 19 Prozent stehen noch zur Halbtagsschule, bei der der Unterricht am frühen Nachmittag endet. Eine Mehrheit ist darüber hinaus gegen die Trennung der Kinder bereits in der vierten Klasse. 45 Prozent wollen Schüler bis zur sechsten Klasse gemeinsam lernen lassen.

Sascha Steuer, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, reagierte erfreut auf das Ergebnis der Umfrage. "Ich kann gut nachvollziehen, dass die Deutschen sich eine einheitliche Qualität der Abschlüsse und Abschlussprüfungen wünschen", sagte er der Berliner Morgenpost. Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus werde deshalb am Donnerstag einen Antrag einbringen, der auf die Einführung eines Deutschland-Abiturs abzielt. Deutschlandweit die gleichen Abituraufgaben - das ginge Mieke Senftleben, der Berliner FDP-Bildungsexpertin, zu weit: "Am Ende lernen dann in Deutsch alle nur noch den Faust, das birgt die Gefahr von thematischen Verengungen. Was wir aber rasch brauchen, sind einheitliche Bildungsstandards." Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) forderte die Länder auf, sich zu bewegen. "Die 16 Länder sollten sich auf eine gemeinsame Grundstruktur einigen, das wäre ein unglaublicher Schub für das deutsche Bildungssystem", sagte sie der Berliner Morgenpost. Darüber hinaus mahnte Schavan mehr Verständigung auf gemeinsame Lerninhalte und die Implementierung der von der Kultusministerkonferenz (KMK) verabschiedeten Bildungsstandards an.

Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) regte einen Staatsvertrag an, in dem sich die Länder darauf verständigen sollten, vergleichbare Abschlussprüfungen einzuführen. Auch der Präsident der Kultusministerkonferenz, Bernd Althusmann (CDU), tritt für das Ziel vergleichbarer Prüfungen ein.