Appell

Potsdamer Klimaforscher: Erderwärmung verstärkt sich

Vor dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen haben führende Forscher einen dramatischen Appell an die Weltgemeinschaft gerichtet. "Dies ist der letzte wissenschaftliche Aufruf an die Unterhändler von 192 Staaten, den Klimaschutzzug in Kopenhagen nicht zu verpassen", erklärte der Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, gestern zur Vorstellung der "Kopenhagen-Diagnose".

Darin kommen rund zwei Dutzend renommierte Wissenschaftler zu dem Schluss, dass einige Aspekte der Erderwärmung früher oder stärker eintreten als zunächst prognostiziert - so schmilzt das Eis an den Polkappen deutlich schneller als erwartet, was zu einem rascheren Anstieg des Meeresspiegels führt. Die Klimaunterhändler "müssen die ganze Wahrheit über die globale Erwärmung und die damit verbundenen nie da gewesenen Risiken kennen", mahnte Schellnhuber. Dem Bericht zufolge müssten die weltweiten Klimagasemissionen in spätestens fünf bis zehn Jahren ihren Gipfel überschritten haben und dann rapide abnehmen, um die schlimmsten Folgen der Erderwärmung zu verhindern. Den Autoren der "Kopenhagen-Diagnose" zufolge muss der Ausstoß von Kohlendioxid und anderen langlebigen Treibhausgasen noch in diesem Jahrhundert fast auf null gesenkt werden, um das Klimasystem zu stabilisieren.

"Der Meeresspiegel steigt rascher, und das arktische Meereis schwindet deutlich schneller als erwartet", erklärte Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut: "Leider zeigen uns diese Daten, dass wir die Klimakrise bislang unterschätzt haben." Konkret warnen die internationalen Forscher in ihrer Diagnose, dass das Abschmelzen des arktischen Meereises während der Sommermonate die schlimmsten Szenarien des vierten Weltklimaberichts von 2007 "bei Weitem" übertrifft. Damit könne in den kommenden Jahrzehnten der Arktische Ozean zur Sommerzeit komplett eisfrei werden.