Verkehr

Neue Panne bei der S-Bahn

Die Pannenserie bei der S-Bahn reißt nicht ab. Erneut ist gestern früh in Berlin ein Zug entgleist. Wie eine Bahnsprecherin auf Anfrage der Berliner Morgenpost bestätigte, ereignete sich der Unfall gegen 3.45 Uhr am Bahnhof Grünau. Verletzt wurde niemand. Der auf der Linie S 8 eingesetzte Zug war ohne Fahrgäste auf einer Rangierfahrt im Bereich der S-Bahn-Betriebswerkstatt Grünau unterwegs.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost sprangen im Bereich einer Weiche die Räder von vier Achsen des zweiten Wagens aus den Gleisen. Weil der aus insgesamt vier Wagen bestehende Zug sich auf einem Gleis befand, das auch vom Linienverkehr genutzt wird, kam es zu massiven Behinderungen. Fahrgäste der Linien S 8, S 9 und S 46 mussten bis 8 Uhr auf Ersatzbusse und Pendelzüge umsteigen.

Warum der Zug entgleist ist, blieb gestern ungeklärt. Ermittler des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) hatten am Nachmittag ihre Untersuchungen am Unfallort vorerst eingestellt. Heute soll der inzwischen in die Werkstatt geschleppte Zug genauer untersucht werden. "Wir haben das Fahrzeug sichergestellt", bestätigte am Abend EBA-Sprecher Ralph Fischer auf Anfrage. Im Fokus der Ermittlungen stünden die Betriebsabläufe, der Unfallzug selbst und die Schieneninfrastruktur. Nach ersten Ermittlungen sei ein Schaden am Gleiskörper oder an der Weiche aber als Unfallursache ausgeschlossen, hieß es aus bahninternen Kreisen. "Die Ursache ist wohl am Fahrzeug zu suchen", sagte ein S-Bahner. Am Abend bestätigte die Bahn offiziell diese Einschätzung. Dem Vernehmen nach soll der Zug zuvor wegen "unnormaler Laufgeräusche" aufgefallen und am Bahnhof Greifswalder Straße aus dem Linienverkehr genommen worden sein.

Ob erneut ein Radschaden die Ursache für den Vorfall war, ist offen. Der entgleiste Zug zählte nicht zur zuletzt auffälligen S-Bahn-Baureihe 481. Einer dieser modernen Züge war am 1. Mai nach einem Radbruch entgleist und hatte die seit fast fünf Monaten andauernde S-Bahn-Krise ausgelöst.

Der gestrige Unfallzug ist nach Informationen der Berliner Morgenpost ein Fahrzeug der älteren Baureihe 480. Räder und Achsen dieses Typs gelten bislang als zuverlässig, wie ein S-Bahner bestätigte. "Umso mehr sind wir natürlich erschrocken."

Die von 1984 bis 1996 von Siemens und AEG gebauten Züge waren bislang nur wegen Problemen mit der Heizung und der Elektrik in die Schlagzeilen geraten. So hatte im August 2004 ein falsch gestecktes Kabel in einem Triebwagen einen verheerenden Brand im Anhalter Bahnhof ausgelöst. Nur durch das beherzte Handeln des Bahnpersonals konnten alle Fahrgäste rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Seit diesem Vorfall dürfen die Züge der Baureihe 480 auf Anordnung des EBA nicht mehr im Nord-Süd-Tunnel eingesetzt werden.

Ungeachtet des neuen Vorfalls will die S-Bahn ihr Angebot zum Wochenstart aufstocken. Der reguläre Fahrplan soll zu 95 Prozent erfüllt werden. Unter anderem wird die Linie S 47 nach Spindlersfeld wieder an den Südring angebunden. Die Züge fahren über Hermannstraße hinaus bis Südkreuz.

Die meisten S-Bahn-Züge werden allerdings weiterhin mit weniger Wagen als vor Beginn der S-Bahn-Krise fahren. Besonders eng könnte es während des Berufsverkehrs auf den Nord-Süd-Linien werden. Laut einer Bahnsprecherin werden die Verstärkerzüge zwischen Frohnau und Wannsee (Linie S 1) sowie zwischen Buch und Lichtenrade (S 2) mit vier statt mit sechs Wagen fahren. Eng wird es zudem auf der Stadtbahn. Die Bahn wechselt von heute an die Schienen der Regional- und Fernbahnstrecke zwischen Bahnhof Zoo und Ostbahnhof aus. Jeweils ein Gleis wird gesperrt, drei Regionallinien werden unterbrochen. Die Fahrgäste sollen ausgerechnet auf die S-Bahn ausweichen.