Karaseks Woche

Das hybride Auto

Das Wort "hybrid" hatte für mich lange Jahrzehnte eine Bedeutung, die aus der griechischen Antike stammte. Es war das Adjektiv zum Substantiv "Hybris" und definierte die Selbstüberhebung des Menschen als Frevel, die in der griechischen Tragödie mit dem Tod durch die Götter, der Auslöschung des hybriden Menschen bestraft wurde.

Dafür, dass er hochmütig und vermessen war, übersteigert in seinem Egoismus und Geltungstrieb, sich über alle von Herkunft, Moral und Tradition gesetzten Grenzen und Normen hob.

Heute soll das Wort "hybrid" (und hier ist sein Ursprung lateinisch) "gemischt" bedeuten. Es ist ein grünes, ein bio-freundliches Wort, das die "öko"-gerechte Nutzung von Energien und zur Schonung der Natur beschreiben will.

Jetzt aber hat der Begriff vom Hybrid-Auto durch den sogenannten Öko-Sprit den alten schrecklichen Begriff der Vermessenheit und des Frevels gegen die Natur wieder als Fratze des Bio-Gedankens hervorgebracht. Wie schon einmal in der Zeit der zyklischen Weltwirtschaftskrisen, als man den Markt und seine Preise dadurch regulieren wollte, dass man tonnenweise Weizen vernichtete und Kaffee ins Meer schüttete. Jetzt kehrt der unerhörte Frevel gegen die Natur in seiner scheinbar umweltfreundlichen Larve wieder. Als grässliche Alternative zwischen Teller und Tank. Getreide kommt nicht als Brot auf den Tisch, sondern wird durch den Auspuff von Autos gejagt. Das Gebet vom "täglichen Brot" pervertiert zur Bitte um den täglich mit Öko-Sprit vollgefüllten Sportwagen-Tank. Die Attribute "bio" und "öko" verhöhnen allen Sinn von Biologie und Ökologie.

Wer über die urmenschliche Konnotation der Nahrung fortschrittsgläubig die Schulter zuckt - bei der Verheizung sollte er sich mindestens die neuerliche Verelendung der Hungernden der Dritten Welt, deren Kolonialisierung durch die pferdegestärkten Industrienationen vor Augen halten. Wie zum Hohn gegenüber hungernden Kindern wird das spritteure Getreide für unsere unaufhaltbare Autojagd verpulvert.

Von 200 Kilogramm Getreide können wir 13 Autotanks füllen oder ein Jahr lang einen Menschen ernähren. Das ist auch für jemanden, der nicht gottesfürchtig ist, die schamlose, die pure Blasphemie.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost