Studentenproteste

Zehntausende demonstrieren für bessere Bildung

Mit zahlreichen Aktionen haben Zehntausende Studenten, Schüler und Lehrer in 50 Städten für bessere Bildungschancen demonstriert. Protestmärsche gab es unter anderem in Berlin mit etwa 5000 Teilnehmern, in München, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Jena.

Bundesweit rechneten die Veranstalter bei den Aktionen zwischen Greifswald und Passau mit rund 80 000 Teilnehmern. Der Aktionstag ist der Höhepunkt der seit Tagen andauernden bundesweiten Bildungsstreiks.

In mehr als 20 Universitäten halten Studenten Hörsäle besetzt. Im Zentrum der Kritik stehen die Bachelor- und Master-Studiengänge. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) äußerte Verständnis und kündigte überraschend entgegen ihrer bisherigen Planung eine Bafög-Erhöhung an. Die SPD forderte einen Verzicht auf die in unionsgeführten Bundesländern erhobenen Studiengebühren.

Der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Christoph Markschies, zeigt im Morgenpost-Interview Verständnis für die Studenten, solange die Proteste friedlich verliefen: "Es geht darum, die handwerklichen Fehler, die bei der Umsetzung der Bologna-Reform gemacht wurden, auszumerzen und dafür zu kämpfen, dass mehr Geld in die Lehre gesteckt wird."

Der Protest der Studenten richtet sich vor allem gegen die Stofffülle und gegen die Studienbedingungen in den neuen Bachelor-Studiengängen. Viele Hochschulen hätten es versäumt, die Studieninhalte den erheblich verkürzten Studienzeiten anzupassen. Auch lasse die straffe Organisation des Studiums keinen Freiraum, um noch nebenher Geld zu verdienen. Die Studenten verlangen außerdem Bildungsgerechtigkeit und mehr Geld für das Bildungssystem, eine Abschaffung der Studiengebühren, kleinere Klassen und mehr Mitsprache.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, appellierte an die Universitäten, die Probleme der Studenten ernst zu nehmen. Er habe Verständnis für die Forderungen der Studierenden nach leichterem Wechsel zwischen den Hochschulen und mehr Praxisbezug.

Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK) sieht die Hochschulen am Zug: Die KMK habe Korrekturen vorgenommen, die nun umgesetzt werden müssten, sagte Henry Tesch (CDU), Ressortchef in Schwerin. Vertreter von Universitäten klagten derweil über finanzielle Unterversorgung.

Der Philologenverband griff die Veranstalter an: Die Proteste gäben ein "sehr diffuses Bild" ab und würden durch linksextreme und politikunfähige Organisationen entscheidend mitgestaltet. NRW-Bildungsminister Andreas Pinkwart (FDP) sprach den Protestierenden gar Reformwillen ab. Die Veranstalter kündigten einen "heißen Herbst" an: Vom 30. November bis zum 6. Dezember planen sie eine Aktionswoche.