Dortmund

Polizei verhindert Anschlag auf Bundesligastadion

Die Polizei hat ersten Erkenntnissen zufolge einen geplanten Sprengstoffanschlag auf das größte deutsche Fußballstadion in Dortmund verhindert. Beamte nahmen einen 25-Jährigen fest, der drei Gegenstände auf dem Gelände des Dortmunder Stadions deponiert hatte, die "sprengstoffverdächtig" seien, wie das Bundeskriminalamt (BKA) mitteilte.

Der Mann steht außerdem im Verdacht, 2010 ein Wirtschaftsunternehmen erpresst zu haben. Das Bundesliga-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Hannover 96 soll am Sonnabend stattfinden. Einen terroristischen Hintergrund schloss das Bundesinnenministerium aus.

Dem BKA zufolge hatte bereits im Februar ein Mann per E-Mail anonym Kontakt zur deutschen Botschaft im pakistanischen Islamabad aufgenommen und vor zwei angeblichen Anschlägen einer Gruppe in Deutschland gewarnt. Das BKA übernahm die Ermittlungen weil der Mann offenbar wusste, wie man Sprengsätze baut, und andeutete, dass er an deren Beschaffung und Bau maßgeblich beteiligt sei. Allerdings vermuteten die Ermittler, dass der Mann die Szenarien nur erfunden hatte und in Wirklichkeit eine Erpressung versuchte. Eine linguistische Analyse der E-Mails legte zudem eine Verbindung zu einem Erpressungsversuch eines nicht näher genannten Wirtschaftsunternehmens aus dem Jahr 2010 nahe.

Kriminalbeamte nahmen den 25-Jährigen bereits am Dienstag in einem Kölner Hotel fest, wie das BKA am Donnerstag mitteilte. In der Vernehmung habe der Mann gestanden, die Anschlagsszenarien erfunden - und drei Sprengsätze in der Nähe des Stadions deponiert zu haben. Das Tatmotiv dafür ist bislang unklar.

Die Ermittler fanden sowohl im Stadionbereich drei mögliche Sprengsätze, die unschädlich gemacht oder gesichert wurden, als auch in der Wohnung des Verdächtigen. Dort wurden auch ein Laptop, Unterlagen und "umfangreiche Chemikalien" sichergestellt. Bislang ist unklar, ob die Bomben funktionsfähig waren. Nach einer ersten Einschätzung habe es keine akute Gefährdung der Bevölkerung gegeben, so das BKA. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums teilte mit, es gebe "keinerlei Bezüge zu terroristischen oder islamistischen Organisationen". Es handele sich offenbar um einen "Einzeltäter mit allgemeinkriminellen Motiven".

Das Bundesliga-Spiel am Sonnabend soll dennoch stattfinden. Die Dortmunder Polizei sieht "keine Gefährdung für die Besucher". Dennoch will Borussia Dortmund seine Sicherheitsmaßnahmen noch einmal verstärken.

BVB-Gegner Hannover 96 reagierte schockiert auf die Ereignisse. "Ich bin entsetzt", sagte 96-Klubchef Martin Kind. Eine Absage der Partie lehnte er aber dennoch ab. Auch der Deutsche Fußball-Bund wies auf den "extrem hohen Sicherheitsstandard" in den Bundesliga-Stadien hin.