USA

Ein wirklich gefesseltes Publikum

Gefängnisse sind immer klamm - finanziell gesehen. Da bildet das Erie County Holding Center im Norden des Staates New York keine Ausnahme. Doch Not macht erfinderisch. Und deshalb wird es in dem Bezirksgefängnis demnächst erstmals Werbung geben - für Gefangene.

Angesprochen werden laut einem Bericht der "Buffalo News" die Untersuchungshäftlinge und ihre Familien, denen unmittelbar nach ihrer Einlieferung auf zwei hochauflösenden Bildschirmen Werbespots von Anwälten und Kautionsagenten gezeigt werden. Die Argumentation ist bestechend simpel: Der Schlüssel zu effektiver Werbung sei, den Konsumenten in dem Moment zu erreichen, in dem er eine Kaufentscheidung trifft, erläutert Anthony N. Diina, Chef von Metrodata, einer Firma, die der Bezirksregierung digitale Werbung anbietet. "Was wollen Leute, wenn sie in ein Untersuchungsgefängnis kommen?", fragte sich Diina. "Sie wollen raus. Und sie wollen nicht verurteilt werden. Also wollen sie Kaution. Und einen Anwalt."

Das Konzept scheint aufzugehen. Rund die Hälfte der Werbezeit sei bereits verkauft, so Diina. Dem Bezirk bringen die Spots ein Drittel der Einnahmen von schätzungsweise bis zu 15 000 US-Dollar (knapp 11 000 Euro) pro Jahr ein, zum anderen könne die Regierung ihre eigenen Nachrichten unterbringen, darunter die Regeln der Haftanstalt und Service für die Häftlinge und Angehörigen. Nachahmer sind bereits da. Das Charlotte County Jail in Florida überlegt, ob man Werbespots auf den Bildschirmen einblenden könnte, über die Gefangene mit ihren Angehörigen reden.

Doch die Werbung hat auch Kritiker, darunter den ehemaligen Staatsanwalt James Auricchio, der jetzt Verteidiger ist. "Es ist einfach geschmacklos", sagt er. Das was Diina für gut hält, findet er verwerflich: Die Häftlinge seien das "ultimativ gefesselte Publikum", so Diina unbekümmert.