Fußballgeschichte

Der Torwart mit den 100 Treffern

"Wenn der Chef krank ist, darf ich nicht zögern." Dachte sich zumindest Rogerio Ceni, als sein Vorgesetzter bei einem Fußballspiel der Betriebssportmannschaft fehlte. Wer sollte den Boss als Torwart ersetzen? Der 16 Jahre junge Ceni meldete sich sofort - und begann an diesem Tag 1989 eine große Karriere.

Der Brasilianer hielt fantastisch, kündigte wenig später seinen Vertrag als Arbeiter und wurde Profitorwart. Und zwar der torgefährlichste der Welt.

Denn der 38-Jährige beschränkt sich beim FC São Paulo nicht auf die Arbeit im "Kasten". Er gilt als extrem stark bei Freistößen und Elfmetern, weshalb er immer wieder für diese Sonderaufgaben nach vorne darf.

Am Sonntag erzielte der 38-Jährige nun seinen 100. Treffer - ein neuer Weltrekord. Im Derby gegen Corinthians schoss er einen Freistoß zum 2:1-Endstand in den Winkel. Der Moment ist schon jetzt Fußballgeschichte. "Caramba, ich bin glücklich", sagte Ceni. Nach dem Treffer leuchtete Cenis Name auf der Videotafel im Stadion, seine Kollegen warfen sich voller Freude auf ihn, der Klub zündete ein Feuerwerk und verkauft seit dieser Woche eine spezielle Version seines Trikots mit der Nummer 100.

Seit seinem ersten Treffer vor 14 Jahren hat er Buch geführt: 56 seiner Tore schoss er per Freistoß, 44 per Elfmeter. Auf seiner Internetseite (rogerioceni.com.br) hat er sie alle aufgeführt, mit Datum, Gegner, Spielort und Endstand. Ein Lebenswerk, das die Fifa allerdings nicht anerkennt - sie wertet zwei Treffer Cenis in Testspielen 1998 und 2001 als "inoffizielle Tore". Der Torwart, in dessen Pass auch der deutsche Familienname Mücke steht, hat dafür kein Verständnis: "Schließlich waren es Spiele mit Publikum und Schiedsrichter, keine Kickereien am Strand."

In Brasilien ist Ceni eine Kultfigur. Für São Paulo hat er 965 Spiele absolviert, die vergangenen 84 ohne Unterbrechung. Und warum genügt es ihm nicht, Tore zu verhindern? "Ich wollte das Vorurteil widerlegen, dass Torleute ihre Füße nicht benutzen können." Ist ihm gelungen.