Kriminalität

Mehr linke als rechte Gewalt in Berlin

Die Berliner Verfassungsschutzchefin Claudia Schmid hat vor einer Verharmlosung linksextremer Gewalttaten gewarnt. Diese Delikte würden gesellschaftlich zu wenig geächtet, kritisierte sie gestern bei der Vorstellung der Studie "Linke Gewalt in Berlin".

Die Gewaltaktionen würden häufig gerechtfertigt oder entschuldigt, weil sie angeblich "einer guten Sache dienen".

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sagte, bei der Ächtung linksextremer Gewalt gebe es noch Nachholbedarf. Laut Körting geht rund die Hälfte der Brandanschläge auf Autos in Berlin auf das Konto von Linksextremisten. Die andere Hälfte seien "Trittbrettfahrer, Versicherungsbetrüger, Zerstörungswütige, vereinzelt sicherlich auch rachsüchtige Ehepartner und vor allem Pyromanen", sagte Körting. Allein 2008 wurden rund 260 Fahrzeuge angesteckt. Besonders durch die Brandanschläge hat die Zahl linker Gewalttaten in Berlin seit 2007 wieder stark zugenommen. Demnach entfielen von 2003 bis 2008 pro Jahr durchschnittlich 139 Anzeigen oder Ermittlungsverfahren der Berliner Polizei auf linke Gewalttaten, gegenüber 72 rechten Delikten. Im vergangenen Jahr wurden 169 linke Gewalttaten verübt, im Jahr davor waren es gar 186. Für das laufende Jahr erwarten Experten allein aufgrund der ständigen Brandanschläge ähnlich hohe Zahlen.

Laut der Studie sind von den 92 Ortsteilen Berlins Friedrichshain, Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg mit zwei Dritteln der Straftaten besonders häufig betroffen gewesen. "Linke Gewalt ist ein Gruppen- und Jugendphänomen", erklärte Stefan Mayer, Gruppenleiter Linksextremismus beim Berliner Verfassungsschutz. Ihm zufolge ist die Hälfte der Täter zwischen 18 und 24 Jahre alt, 81 Prozent sind männlich. Im Unterschied zur rechten Gewalt, die sich hauptsächlich gegen Menschen richtet (82 Prozent), sind Angriffsziele der Linksextremisten überwiegend Einrichtungen der Polizei, Wirtschaft oder des politischen Gegners (63 Prozent).