Zukunftsprognose

Nullrunden für 20 Millionen Rentner in Deutschland

Die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland müssen sich in den kommenden beiden Jahren darauf einstellen, dass ihre Renten nicht steigen werden. Und auch danach wird es allenfalls Mini-Erhöhungen geben. 2010 sei eine Nullrunde wegen krisenbedingt rückläufiger Löhne so gut wie sicher, auch 2011 werde dies mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht anders sein, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV), Alexander Gunkel, gestern in Würzburg. Erst 2012 sei wieder mit einer geringen Rentenerhöhung zu rechnen.

Gunkel wies zugleich darauf hin, dass nur durch die noch von der großen Koalition im Sommer beschlossene Rentengarantie eine Rentenkürzung um etwa 0,5 Prozent im kommenden Jahr vermieden werden kann. Um diesen Wert sinken voraussichtlich die für die Rentenanpassung maßgeblichen Löhne.

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, sagte zu den Prognosen der Deutschen Rentenversicherung: "Das sind miserable Aussichten für Rentnerinnen und Rentner." Mascher forderte die Abschaffung von Rentendämpfungsfaktoren. Rentner dürften nicht von der Lohn- und Gehaltsentwicklung abgekoppelt werden. "Was man den heutigen Rentnern wegnimmt, wird auch künftigen Rentnern fehlen." Auch der Sozialverband SoVD forderte die Regierung auf, die Kürzungsfaktoren abzuschaffen. "Setzt sich diese Entwicklung fort, werden der soziale Abstieg der Rentnerinnen und Rentner und wachsende Altersarmut die Folgen sein", sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer.

Renten-Nullrunden hatte es zuletzt in den Jahren 2004 bis 2006 gegeben. Anfang Juli hatten die Rentner die höchste Rentensteigerung seit mehr als zehn Jahren erhalten: im Osten um 3,4 Prozent, im Westen um 2,4 Prozent. Dazu beigetragen hat, dass der Riesterfaktor für zwei Jahre ausgesetzt worden war. Die finanzielle Lage der Rentenversicherung bezeichnete Gunkel als stabil. Sie habe die Finanzkrise unbeschadet überstanden. "Auch mittelfristig stehen die Zeichen nicht auf Sturm."