Kritik der Berliner Ärzte

"Hoffentlich bricht hier niemals die Pest aus"

Berliner Kinder- und Frauenärzte haben zum Start der Massenimpfungen gegen die Schweinegrippe heftige Kritik an Organisation und Information geübt. Die derzeitig in der Hauptstadt anlaufende Impfaktion sei planlos.

"Das Chaos verhindern", forderte der Berliner Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte gestern und erneuerte sein Angebot an die Gesundheitssenatsverwaltung, dass seine Mitglieder kostenlos an zwei Tagen der Woche in den bezirklichen Gesundheitsämtern impfen.

Scharfe Kritik äußerte auch der Verbandsvorsitzende der Berliner Frauenärzte, Albrecht Scheffler. "Das geht so wild durcheinander, dass Ärzte selbst etwas hilflos davorstehen", sagte er. "Ich kann nur hoffen, dass hier niemals die Pest ausbricht."

Nach dem holprigen Start der Impfaktion kündigte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Marie-Luise Dittmar, an, dass bis zum Ende der Woche alle Praxen, mit denen ein Vertrag geschlossen worden sei, mit Impfstoff versorgt sein würden. Senatssprecher Richard Meng räumte ein, dass der Start der Massenimpfung nicht optimal verlaufen sei. "Der Senat ist nicht begeistert, wenn es schwierig anläuft", sagte Meng. Es habe vor allem Transportprobleme auf dem Weg des Impfstoffs von der Zentralapotheke zu einzelnen Arztpraxen gegeben.

Generell empfehlen die Fachärzte, Kinder ab sechs Monate und auch Schwangere gegen Schweinegrippe impfen zu lassen. Der Berliner Kinderarzt und Verbandsvorsitzende Klemens Senger betonte, dass in den Praxen täglich bis zu 200 kleine Patienten behandelt würden: "Wo soll denn da noch Zeit für die Durchführung von Massenimpfungen sein?"