Schallplatten

Das Ende des Single-Daseins

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In Nick Hornbys Roman "High Fidelity" bekommt der Schallplattenhändler Rob irgendwann ein Angebot, das er eigentlich gar nicht abschlagen kann: Eine verlassene Ehefrau bietet ihm die Sammlung ihres Mannes für wenig Geld an - aus Rache.

Darunter sind Kostbarkeiten wie z. B. die Single "God Save the Queen", die die Sex Pistols 1976 aufnahmen, bevor sie von ihrem ersten Label A & M gefeuert wurden - A & M ließ danach fast alle Exemplare einstampfen. Rob lehnt das Angebot trotzdem ab, weil er dem untreuen Ehemann, einem Platten-Verrückten wie er selbst, nicht in den Rücken fallen will.

Die Episode macht deutlich, welche große Rolle Singles in der Geschichte der Popmusik gespielt haben. Jüngeren Lesern muss man aber erklären: Singles sind Platten, auf denen sich meist nur zwei Lieder befinden - eine A-Seite mit dem Hit und eine B-Seite, meist Füllmaterial. Bis jetzt existieren Singles noch als Nischenprodukte - sowohl als CDs als auch aus klassischem Vinyl. Doch eine der größten Plattenfirmen hat nun das Ende der Single eingeleitet: Das britische Label Mercury Records, Heimat u. a. von Arcade Fire, Metallica und den Killers, erklärte, künftig Single-Tonträger nur noch in Ausnahmefällen zu veröffentlichen. Verantwortlich ist der Anstieg der Download-Zahlen. Der britische Phonoindustrie-Verband teilte mit, dass von 161,8 Millionen verkauften Einzelliedern auf der Insel 2010 nur noch 1,9 Millionen auf handfest greifbaren Single-Tonträgern verkauft wurden. Der Anteil von Vinyl-Singles daran betrug nur 152 000, 2006 waren noch über eine Million verkauft worden.

Ob der Niedergang der Single in England auch Auswirkungen auf Deutschland hat, ist nicht abzusehen. Hierzulande veröffentlichen vor allem Independent-Bands wie Tocotronic oder Bonaparte noch Vinyl-Singles.

Das Ende der Schallplatte an sich ist damit noch lange nicht eingeleitet: Langspielplatten aus Vinyl werden allein in Deutschland jährlich noch etwa eine Million Mal verkauft, und es sieht nicht so aus, als ob dieser stabile Mini-Markt, von dem viele leben, bald geschlossen würde.

( mh )