Finanzkrise

Staat steigt bei der Commerzbank ein

Die Finanzkrise erreicht einen neuen Höhepunkt: Die Commerzbank wird zu mehr als einem Viertel verstaatlicht. Künftig hält der Bund 25 Prozent plus eine Aktie an der zweitgrößten Bank des Landes. Der Einstieg ist Teil eines neuen Rettungspakets für das Frankfurter Geldhaus, das in der Nacht zum Donnerstag in Berlin geschnürt wurde.

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Zum ersten mal in der Nachkriegsgeschichte wird eine Bank teilverstaatlicht, der Bund übernimmt 25 Prozent der Commerzbank

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- Insgesamt erhält die Commerzbank nach eigenen Angaben frisches Eigenkapital in Höhe von zehn Milliarden Euro aus dem Bankenrettungsfonds Soffin. Im Gegenzug bekommt der Staat voll stimmberechtigte Stammaktien im Wert von 1,8 Milliarden Euro. Den Rest der Kapitalhilfen (8,2 Milliarden Euro) gewährt der Bund in Form einer stillen Einlage, die allerdings kein Stimmrecht mit sich bringt.

Mit der direkten Beteiligung in Höhe von 25 Prozent plus einer Aktie gibt Berlin die ursprüngliche Zurückhaltung auf. Die bisherigen Commerzbank-Aktionäre verlieren enorm an Einfluss: Der Bund hat künftig eine sogenannte Sperrminorität und kann wichtige Entscheidungen verhindern. Die neue Bedeutung des Staates soll sich auch in der künftigen Zusammensetzung des Aufsichtsrats zeigen. Zwei Posten des 20-köpfigen Kontrollgremiums sollen von Vertretern des Staates beziehungsweise des Rettungsfonds Soffin besetzt werden. Der Kurs der Commerzbank-Aktie stürzte nach Bekanntwerden bis zu 21 Prozent ab und notierte auf einem Rekordtief von 4,79 Euro. Zum Handelsschluss erholte sich der Kurs des Dax-Konzerns wieder leicht. Die Aktie notierte am Abend bei 5,42 Euro. Die Bundesregierung müsse mit der EU-Kommission noch beihilferechtliche Details klären, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Commerzbank hatte bereits im November in Form einer stillen Einlage von ebenfalls 8,2 Milliarden Euro Staatskapital erhalten, das Brüssel erst nach langen Verhandlungen genehmigte.

Grund für den erneuten Hilferuf sind nach Informationen der Berliner Morgenpost unerwartet hohe Abschreibungen bei der Dresdner Bank, die die Commerzbank noch in diesem Monat übernehmen will. Seite 5