Studie

So gesund sind Berlins Schulanfänger

Der soziale Status, aber auch die Deutschkenntnisse bestimmen Gesundheitsrisiken bei Kindern. Das hat die Analyse der Einschulungsuntersuchungen von Berliner Kindern ergeben, die von der Gesundheitsverwaltung am Donnerstag vorgelegt wurde.

Der Faktor Migrationshintergrund allein habe dabei nur mäßigen Einfluss auf die Entwicklung und Gesundheit der Vorschulkinder, stellte Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) klar. Wenn aber bei den untersuchten Kindern und ihren Eltern die Deutschkenntnisse schlecht sind, weisen sie gleichzeitig auch ein höheres Gesundheitsrisiko auf.

Auf lange Sicht zeigen die Ergebnisse zusätzlich, dass es in Berlin immer weniger Kinder gibt, die nicht richtig Deutsch sprechen können. Die Zahl der Migrantenkinder im Vorschulalter ist in Berlin zwar von 31 Prozent im Jahr 2005 auf 35 Prozent im Jahr 2009 gestiegen, die Deutschkenntnisse haben sich gleichzeitig aber kontinuierlich verbessert. Konnten vor sechs Jahren nur 55 Prozent der Vorschulkinder sehr gut Deutsch sprechen, waren es 2009 schon 67 Prozent. Den Ergebnissen zugrunde liegen die Daten von knapp 53 000 Kindern zwischen fünf und sechs Jahren, die 2007 und 2008 für die Einschulung untersucht wurden.

Insgesamt, so zeigt die Analyse, sind knapp zwei Drittel der Kinder nicht oder nur vereinzelt von gesundheitlichen Risiken betroffen. Bei jedem achten Kind wurde in der Einschulungsuntersuchung eine verzögerte oder gestörte Entwicklung festgestellt, also Schwierigkeiten bei der Körperkoordination, dem logischen Denken oder der Sprache. Bei acht Prozent der Kinder ist ein erhöhtes gesundheitliches Risikoverhalten zu beobachten. Als Risikofaktor bezeichnet die Gesundheitsverwaltung etwa einen Raucherhaushalt, mangelnde Zahngesundheit oder mehr als zwei Stunden Fernsehkonsum am Tag. Jedes neunte Kind in Berlin ist übergewichtig oder gar fettsüchtig.

Als stärkster Einflussfaktor auf die Gesundheit der Vorschulkinder hat sich laut der Analyse neben den Deutschkenntnissen der Sozialstatus der Familien erwiesen. Hierfür wurden die Angaben der Eltern bei der Einschulungsuntersuchung zu ihrer Schulbildung, Ausbildung und ihrem Erwerbsstatus ausgewertet. Ein Viertel der Berliner weist demnach einen hohen Status auf, dabei sind meist beide Elternteile erwerbstätig und verfügen über Hochschulreife. Dem gegenüber steht eine etwa gleich große Gruppe Berliner mit niedrigem sozialen Status - ohne Job und oft auch ohne Schulabschluss. Der soziale Status wirkt sich laut der Analyse sehr stark sowohl auf die Entwicklung des Kindes als auch auf die vorhandenen gesundheitlichen Risiken in der Familie aus. Übergewicht bei Vorschulkindern stehe dagegen mit den Sozialfaktoren weniger in Zusammenhang, als man gemeinhin erwarte, sagte Gesundheitssenatorin Lompscher. Kinder mit Übergewicht kommen in allen sozialen Schichten vor.

Die Analyse ermöglicht es auch, genau festzumachen, in welchen Bezirken es besonders viele Probleme gibt. So lebt der größte Anteil von Vorschulkindern mit Auffälligkeiten in Gesundbrunnen, Kreuzberg Nord und Ost sowie Neukölln und Reinickendorf Ost. Den geringsten Anteil weist Steglitz-Zehlendorf auf, dicht gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf, Treptow-Köpenick und Pankow.

"Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass bereits im Vorschulalter bei einem Teil der Kinder gesundheitliche Gefährdungen zu beobachten sind", sagte Lompscher. So zeige die Untersuchung etwa, dass Gesundheitsprävention früh ansetzen müsse. "Die Daten zeigen, dass es auch einen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Kita-Besuch und der Gesundheit eines Kindes gibt", sagte die Senatorin. Die drei beitragsfreien Kita-Jahre seien deshalb ein wichtiger Beitrag für die Kindergesundheit. Die Opposition kritisierte in diesem Zusammenhang den aktuellen Mangel an Kita-Plätzen in Berlin. "Es ist zu befürchten, dass durch den Kita-Platzmangel gerade Kinder aus sozial benachteiligten Familien die Kita in Zukunft noch weniger besuchen werden", kritisierten die Grünen.