Bewertungssystem

Neue Sterne für Mallorcas Hotels

Ganz klar: Wer seinen Urlaub bucht, der erwartet vom Hotel gewisse Standards - und ist auch bereit, dafür zu zahlen. Weltweites Kriterium sind dafür die Sterne, mit denen Hotels sich zieren. Von eins bis fünf reicht die Skala in der Regel und weckt beim Kunden Erwartungen. Wer in einem Etablissement der Einsternkategorie eincheckt, rechnet nicht mit luxuriösem Ambiente.

Dabei gelten allerdings immer wieder andere Kriterien, weshalb die Reiseveranstalter auch gerne den Zusatz "Landeskategorie" an die Bewertung anfügen oder gleich eigene Punkte vergeben. Auf Mallorca zum Beispiel reichte es seit 1967 aus, eine schöne Architektur zu haben, um eine hohe und damit lukrative Bewertung zu ergattern. Doch das soll sich jetzt ändern: Die balearische Landesregierung hat ein Gesetz beschlossen, wonach die Hotels sich ihre Sterne komplett neu verdienen müssen. Denn jetzt werden Punkte für die Zimmerausstattung, die Freizeiteinrichtungen, den Service und die Qualität von Restaurants und Hotelbars vergeben. Die insgesamt 350 Kriterien sollen die Unternehmer motivieren, in ihre Einrichtungen zu investieren und so wettbewerbsfähiger zu sein, schreibt die "Mallorca-Zeitung". Erneut wird es maximal fünf Sterne geben, Apartments bekommen einen bis vier Nägel. Das Gesetz, das den EU-Standard im EU-Land Spanien einführen soll, hat dort Pioniercharakter. Sechs Jahre haben die Hoteliers deshalb Zeit, sich umzustellen.

So weit, so gut. Allerdings gibt es einen Haken, der für Diskussionen sorgen dürfte: Die Hoteliers sind aufgerufen, ihre Punktzahl selbst zu ermitteln. Anders gesagt: Jeder Betreiber vergibt sich selbst die Sterne. Für Kontrolle sollen zwei Mechanismen sorgen: Zum einen müssen die Unternehmer in eidesstattlichen Erklärungen auflisten, über welche Standards sie verfügen, zum anderen müssen sie diese Listen im Internet veröffentlichen, damit sie jeder mit der Realität abgleichen kann. Man stelle sich vor: Touristen wandern demnächst mit Kladden und einer dicken Liste durch ihr Hotel, um abzuhaken, ob die Poolbar auch wirklich da ist, das Zimmer sauber und das Büfett komplett ist. Unvorstellbar. Obwohl: Wer die teils absurden Klagen enttäuschter Urlauber vor Gericht verfolgt, wird sich über einen solchen Anblick kaum wundern.