Libyen

Gaddafi droht mit langem Krieg

Mit einem Großaufgebot von Tarnkappenbombern, Kampfjets, U-Booten und Kriegsschiffen hat die internationale Allianz Libyen angegriffen und damit erstmals einen Aufstand in der arabischen Welt unterstützt.

In der libyschen Hauptstadt Tripolis ist ein Gebäude der Residenz von Machthaber Muammar al-Gaddafi bei einem Angriff von einer Rakete zerstört worden. Gaddafi drohte mit blutiger Vergeltung und einem "langen, ruhmreichen Krieg". Russland und die arabischen Staaten protestierten dagegen, dass es bei den massiven Bombardements der Alliierten zivile Opfer gegeben habe. Unterdessen stehen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wegen der Enthaltung Deutschlands bei der Verabschiedung der Resolution im UN-Sicherheitsrat weiter in der Kritik.

Nachdem französische Kampfflugzeuge Dutzende Panzer und andere Militärfahrzeuge zerstört hatten, griffen britische und US-Kriegsschiffe in das Geschehen ein. Sie feuerten mindestens 110 Marschflugkörper auf Flugabwehrstellungen entlang der Küste ab. Auch zahlreiche Militärflughäfen wurden zerstört oder zumindest beschädigt. "Die Flugverbotszone ist errichtet", erklärte US-Generalstabschef Mike Mullen am Sonntag. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die libysche Luftwaffe aktiv sei oder Gaddafi einen Einsatz chemischer Waffen vorbereite. Die libysche Luftabwehr sei geschwächt. Die Nato will in der kommenden Woche über ihre Beteiligung entscheiden.

Dem libyschen Staatsfernsehen zufolge wurden bei den Angriffen 64 Menschen getötet und rund 150 verletzt, darunter viele Zivilisten. Es gab keine Möglichkeit, die Angaben unabhängig zu bestätigen. Ungeachtet des internationalen Eingreifens setzten die Truppen des libyschen Staatschefs ihre Angriffe auf Regimegegner fort. Schwere Kämpfe wurden vor allem aus der rund 200 Kilometer östlich von Tripolis gelegenen Stadt Misurata gemeldet. Am Abend verkündete das Regime eine neue Waffenruhe. Die Waffen würden bereits ab Sonntagabend schweigen, sagte ein Armeesprecher in Tripolis. Schon am Freitag war eine Waffenruhe ausgerufen, aber nicht eingehalten worden.

Die Arabische Liga kritisierte den Tod von Zivilisten scharf. Dies sei nicht die Art von Flugverbotszone, die das Staatenbündnis unterstützt habe, erklärte Generalsekretär Amr Mussa. Er kündigte eine Dringlichkeitssitzung der Gemeinschaft an. "Wir wollen einen Schutz der Zivilbevölkerung, nicht ihren Beschuss", betonte Mussa. Russland rief die Allianz zu einem Ende ihrer Luftangriffe auf, die nicht militärischen Zielen gälten. Unter anderem seien eine medizinische Einrichtung, Straßen und Brücken bombardiert worden. Das Pentagon sagte dagegen, man habe keine Belege für den Tod von Zivilisten.

Libyens Machthaber Gaddafi will sich dem militärischen Druck nicht beugen und kündigte in einer Rede, von der das Staatsfernsehen nur den Ton übertrug, massiven Widerstand gegen den "kolonialen Feind" an: "Wir werden unser Land nicht verlassen, und wir werden es befreien." Der Machthaber will dafür die Depots öffnen und eine Million Libyer bewaffnen. Im Krieg gegen die "Kreuzritter" werde "das ganze Mittelmeer zum Schlachtfeld", so Gaddafi. Weiter sagte er: "Ihr werdet stürzen, wie Hitler gestürzt ist. Alle Tyrannen stürzen. Dies ist nun eine Konfrontation des libyschen Volkes mit Frankreich, Großbritannien und den USA, mit den neuen Nazis." Tausende Zivilisten folgten seinem Aufruf und bildeten um sein Hauptquartier sowie wichtige Einrichtungen wie den Flughafen menschliche Schutzschilde.

In Deutschland wehrte sich Außenminister Westerwelle gegen Kritik an dem deutschen "Sonderweg". Er trat dem Eindruck entgegen, Deutschland stehe mit seiner Position allein da. Vielmehr gebe es in Europa und in der internationalen Gemeinschaft durchaus Unterstützung für die Entscheidung, sich nicht an dem Kampfeinsatz zu beteiligen, so Westerwelle weiter.