Atom-Alarm in Japan

"Wir werden Japan neu aufbauen"

Japans Ministerpräsident Naoto Kan hat der Bevölkerung in einer Fernsehansprache Mut zugesprochen. Japan stehe vor der größten Krise der Nachkriegszeit, werde diese aber "überwinden und sich erholen", sagte er am Freitagabend (Ortszeit). Als Antwort auf die Katastrophen würden in Japan alle verfügbaren Kräfte gebündelt.

Die erste Woche nach Beben und Tsunami habe die Bevölkerung mit Ruhe bewältigt, lobte Kan. Den Opfern und Angehörigen der Opfer drückte Kan sein Beileid und Mitgefühl aus. Mit Tränen in den Augen versprach er: "Wir werden Japan wieder neu aufbauen." Die Menschen dürften sich nicht unterkriegen lassen.

Allerdings ist die Lage auch eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami immer noch dramatisch. Viele der 380 000 Opfer warten nach wie vor auf Hilfe. Weil es zu wenige Transportfahrzeuge gibt, bleibt die Versorgung der abgelegenen Krisengebiete schwierig, wie die Agentur Kyodo meldete. Bei winterlichen Temperaturen litten vor allem Ältere und Kranke in den oft ungeheizten Notunterkünften. Mehr als 20 Menschen starben bereits - wohl auch wegen der Eiseskälte in der Region. Mit einer Schweigeminute erinnerten Opfer und Helfer in den Katastrophenregionen Miyagi, Iwate und Fukushima um 14.46 Uhr (Ortszeit) an das Beben vor genau einer Woche. Die Zahl der vermuteten Todesopfer, zu denen auch die Vermissten gezählt werden, stieg am Freitag auf über 16 000. Bislang sind 6911 Tote registriert.

Im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima 1 stand die Situation weiter auf der Kippe. Der AKW-Betreiber Tepco hofft, dass er die Kühlung der havarierten Reaktoren 1 und 2 am Sonnabend über die wiederhergestellte Stromleitung versorgen kann, wie der Sender NHK am Freitag berichtete. Fast 140 Einsatzkräfte der Feuerwehr Tokio verspritzten zudem mit 30 Spezialfahrzeugen Wasser auf den Reaktor 3. Er ist wegen seiner hochgiftigen Plutonium-Brennstäbe besonders gefährlich. Die erneuten Kühlversuche seien erfolgreich gewesen, betonte Regierungssprecher Yukio Edano. Das Wasser soll eine Kernschmelze verhindern. Japan stufte die Gefährlichkeit des Störfalls auf das INES-Level 5 hinauf. Damit liegt der Unfall zwei Stufen unter der Katastrophe von Tschernobyl. Zu Wochenbeginn soll erneut der Wind in Richtung Tokio drehen. Dann könnte es auch regnen, was zu einem Fallout führen würde. In der Hauptstadt ist die Strahlenbelastung zwar bereits angestiegen, angeblich aber noch nicht gesundheitsgefährdend.