Ortsschilder als Diebesgut

Alle wollen Atzenhausen

In den Hügeln über dem Leinetal, südwestlich von Göttingen, liegt ein kleiner Ort namens Atzenhausen. Bislang erfreuten sich die 340 Einwohner einer spektakulären Ruhe und eines dörflichen Lebens - eines sehr dörflichen Lebens, wie Besucher versichern.

Dennoch ist der Ort zurzeit berühmt. Und berüchtigt. Hier tummeln sich in vielen Nächten des Jahres Diebe - sehr zum Leidwesen der Atzenhausener. Denn die Kriminellen sind nur auf eines aus: die Ortsschilder, die nun schon mehrfach gestohlen wurden. So häufig, dass die Dorfbewohner selbst den Überblick verloren haben.

Die Polizei hat einen Verdacht, und der führt nach Berlin. Die Ermittler vermuten, dass Fans der Berliner Partyband "Die Atzen" die Diebe sind. Die Gruppe begeisterte mit ihrer Ballermann-Musik zuletzt die 17 000 Besucher beim Nacktrodeln in Braunlage im Harz. Offenbar sind diese Fans auf Souvenir-Jagd - und Schilder mit dem Aufdruck "Atzenhausen" scheinen deshalb besonders begehrt zu sein. Konkrete Hinweise auf die Täter haben die Beamten aber nicht. Immerhin gibt es auch ehrliche Fans, die mehrere Hundert Kilometer weit fahren, um sich vor dem Ortsschild zu fotografieren.

Atzenhausen ist dabei kein Einzelfall. Auch in Ludolfshausen im südlichen Landkreis Göttingen sind Schilderdiebe unterwegs. Die Polizei geht davon aus, dass es sich hier um Fans der Doku-Soap "Die Ludolfs" handeln dürfte. Die Serie beschreibt das Leben von eigenwilligen Brüdern, die einen Schrottplatz in Rheinland-Pfalz betreiben. Wenn Schilderklau jetzt also offenbar in Mode kommt, stellt sich die Frage, wann es in Guttenberg im Frankenwald so weit sein dürfte.