Flugverbotszone gefordert

Libyens Rebellen bitten den Westen um Hilfe

Libyen steht vor einem langen Bürgerkrieg: Regierungstruppen verstärkten am Sonntag in mehreren Städten ihre Angriffe auf die Rebellen. Nach wie vor gibt es viele widersprüchliche Angaben. So behauptete das Staatsfernsehen, die Städte Sawija, Tobruk und Misrata sowie der wichtige Ölhafen Ras Lanuf seien zurückerobert worden, was die Aufständischen sofort dementierten.

Der von den Rebellen eingerichtete Nationalrat forderte vom Westen eine Flugverbotszone, über die im Ausland jedoch kontrovers diskutiert wird.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton entsandte am Sonntag ein Erkundungsteam nach Libyen. Ziel sei es zu prüfen, welche zusätzlichen Hilfen vor Ort noch benötigt würden, so Ashton. Es ist die erste internationale Mission dieser Art. Der Nationalrat rief in Bengasi die internationale Gemeinschaft auf, eine Flugverbotszone über Libyen einzurichten. Gaddafi solle auf diese Weise daran gehindert werden, "sein eigenes Volk zu bombardieren", hieß es. Ein Eingreifen ausländischer Truppen auf libyschem Boden werde hingegen strikt abgelehnt. Dem Nationalrat gehören 31 Komitees aus "befreiten" Städten an.

Das Ausland ist jedoch uneins. US-Senator John Kerry plädierte dafür, dass die USA und ihre Verbündeten eine solche Zone vorbereiten sollten. Ohne eine internationale Einigung sollte ein Flugverbot aber nicht in Kraft treten, sagte der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Beziehungen im US-Senat dem Fernsehsender CBS. Außerdem sollte ein Vorgehen gegen die libysche Luftwaffe nur als Reaktion auf Angriffe auf Zivilisten vonseiten der regimetreuen Truppen in Erwägung gezogen werden. US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte dagegen vor wenigen Tagen gesagt, dass eine Flugverbotszone einem Krieg gleich käme. Denn nur mit einem kriegerischen Akt könnte die libysche Luftwaffe am Boden gehalten werden. Auch der neue Stabschef im Weißen Haus, Bill Daley, äußerte sich am Sonntag skeptisch. Es gebe "eine Menge loses Gerede über militärische Optionen", sagte er.

Unterdessen flog die libysche Luftwaffe Angriffe gegen Aufständische, die nach Westen auf Tripolis zumarschierten. Sawija, 50 Kilometer westlich von Tripolis, scheint tatsächlich wieder in der Hand der Armee zu sein. Dort soll es viele Tote und Verletzte gegeben haben. Allerdings änderte sich der Frontverlauf ständig. In Misrata, 210 Kilometer östlich von Tripolis, lieferten sich Rebellen und Soldaten erbitterte Häuserkämpfe. Die Armee setzte Panzer und Artillerie ein. Die Rebellen schossen nach eigenen Angaben einen Armee-Hubschrauber ab.

Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von Demonstrationen in Tripolis und Sirte, auf denen Soldaten, Polizisten und Milizionäre einen angeblichen "Sieg" des "Revolutionsführers" über die Rebellion mit Freudenschüssen feierten.

Auch Gaddafi bat das Ausland um Hilfe. Er führt nach eigener Darstellung einen Kampf gegen Terroristen. "Wir haben euch in den vergangenen Jahren so sehr unterstützt", sagte er der französischen Zeitung "Journal du Dimanche". Er frage sich, warum ihm niemand beim Kampf gegen den Terrorismus helfe.