Wissenschaft

Neue Vorwürfe in Plagiatsaffäre: Doktorvater geht auf Distanz zu Guttenberg

Nach tagelangem Schweigen geht nun auch der Doktorvater von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der Bayreuther Juraprofessor Peter Häberle, auf Distanz zu seinem ehemaligen Studenten.

Mit sehr großem Bedauern habe er zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Umstände der von ihm betreuten Promotion geeignet seien, "den Ruf der Universität Bayreuth in der öffentlichen Diskussion in Misskredit zu bringen", teilte Häberle am Montag in einer schriftlichen Erklärung mit, die der Berliner Morgenpost vorliegt. "Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel", schreibt der Professor. "Sie widersprechen dem, was ich als gute wissenschaftliche Praxis seit Jahrzehnten vorzuleben und auch gegenüber meinen Doktoranden zu vermitteln bemüht war."

Die Diskussion um Guttenbergs Glaubwürdigkeit riss auch zu Wochenbeginn nicht ab, es wurden sogar neue Vorwürfe laut. So soll Guttenberg eine Ausnahmegenehmigung beantragt haben, um überhaupt zum Promotionsverfahren zugelassen zu werden - angeblich, weil seine Examensnote zu schlecht war.

Inzwischen wird auch die Kritik aus dem Unionslager lauter. Als erste Politikerin aus dem engeren Zirkel um Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kritisch zu dem Plagiat. "Ich schäme mich nicht nur heimlich", sagte sie. Mehr als 30 000 Menschen protestierten in einem offenen Brief an Merkel gegen das Verhalten der Regierung in der Affäre. Merkel zeigte für die Kritik Verständnis. Sie teile aber nicht die Schlussfolgerung, dass es sich bei ihrem Verhalten um eine Missachtung der Wissenschaft gehandelt habe. Zudem ließ sie mitteilen, Guttenberg genieße "das Vertrauen und die Unterstützung der Bundeskanzlerin". Daran habe sich nichts geändert. Auch Guttenberg selbst sieht seine Arbeit als Verteidigungsminister nicht beeinträchtigt.