Studie

Deutschland bei Integration nur Mittelmaß

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Deutschland hat im internationalen Vergleich immer noch erhebliche Schwierigkeiten bei der Integration von Migranten. Vor allem in den Bereichen Bildung und dauerhafter Aufenthalt schneidet die Bundesrepublik schlecht ab.

Am Tag nach der Rede des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, in der er vor Ausländerfeindlichkeit und Islamphobie in Deutschland warnte, stellt das British Council am heutigen Montag in Brüssel eine internationale Studie vor. In der Untersuchung, deren Ergebnisse der Berliner Morgenpost bereits vorliegen, landet Deutschland insgesamt auf einem mittleren Platz knapp über dem EU-Durchschnitt.

Zum ersten Mal wurde bei der Studie (siehe Infokasten) der Bereich Bildung analysiert. In Deutschland gibt es demnach erhebliche Mängel (43 von 100 Punkten). Von den Nachbarländern schneiden nur Frankreich und Polen (29 Punkte) schlechter ab. Das deutsche Bildungssystem passe sich nicht an die Realität der Immigration an, lautet das Fazit der weltweiten Studie. Im Idealfall, wie ihn die Wissenschaftler definierten, müsste auch Migrantenkindern der gesamte Schulweg bis zur Universität offenstehen. Die Lehrer müssten außerdem besonders auf die Bedürfnisse von Kindern mit Migrationserfahrung eingehen.

Besonders schlechte Werte erzielt Deutschland zudem beim Thema dauerhafter Aufenthalt (Platz 24 von 31). Neuankömmlinge in Deutschland haben laut der Studie größte Schwierigkeiten, die Kriterien und Bedingungen dafür zu erfüllen. Die Anforderungen für eine dauerhafte Aufenthaltsberechtigung seien genauso streng wie die für den Erwerb der Staatsbürgerschaft und in keinem anderen Land so umfangreich wie in Deutschland. Im ungünstigsten Fall muss ein Migrant acht Jahre und länger warten, bis er die dauerhafte Aufenthaltserlaubnis erhält.

Insgesamt landet Deutschland dennoch auf Platz zwölf, die Bedingungen für Zuwanderer seien mit 57 von 100 Punkten "halbwegs günstig". Der EU-Durchschnitt liegt bei 52 Punkten. Spitzenreiter ist Schweden (83), Schlusslicht Lettland (31 Punkte).

Integration ist auch das Hauptthema des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, der am Sonntag Düsseldorf besuchte, wo er vor 10 000 Landsleuten sprach. Er warnte vor einer wachsenden Ausländerfeindlichkeit in Deutschland. Eine solche Entwicklung werde in der Türkei "mit großer Beunruhigung" betrachtet, sagte Erdogan. Deutsche Politiker sollten diese Feindlichkeit mit ihren Äußerungen "nicht weiter aufbauschen". Vielmehr müssen wir "gegenseitig versuchen, uns zu verstehen", so Erdogan weiter.

Auch eine zunehmende negative Stimmung gegen den Islam kritisierte er: "Islamphobie ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, genauso wie Rassismus." Sowohl die Mehrheit in Deutschland als auch die türkische Minderheit müsse einander respektieren.

Erdogan erneuerte zudem seine Warnung, Assimilation sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er sage Ja zur Integration, aber Nein zur Assimilation. "Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst Türkisch lernen." Niemand solle von seiner eigenen Kultur losgeeist werden und mit Gewalt etwas Anderes aufgezwungen bekommen. Demokratie bedeute eben auch, "Unterschiede als Reichtum" anzusehen.