Kraftstoff E10

70 Prozent der Autofahrer tanken falsch

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Es gibt ihn erst seit wenigen Wochen, und so recht weiß keiner etwas mit ihm anzufangen. Die Diskussion über den neuen Bio-Kraftstoff E10 hat jedenfalls die meisten Autofahrer verunsichert. Bis zu 70 Prozent von ihnen tanken nämlich den "falschen" Kraftstoff - unnötigerweise.

Das hat der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) herausgefunden. Demnach greifen die meisten an der Zapfsäule zum alten und deutlich teureren Super E5, dem nur fünf Prozent Bio-Ethanol beigemischt sind. "Dabei sind 90 Prozent der Fahrzeuge für Super E10 geeignet", teilte der MWV am Wochenende in Berlin mit.

Der MWV glaubt, dass die Menschen nicht wissen, ob ihr Auto E10 verträgt, und ruft unsichere Autofahrer deshalb auf, sich beim Fahrzeughersteller oder in ihrer Werkstatt zu informieren. Dabei könnte es auch sein, dass viele Menschen Angst haben, sich das Auto zu ruinieren und ihrer Werkstatt nicht trauen. Denn Experten hatten immer wieder gewarnt, dass schon einmaliges Tanken mit E10 irreparable Schäden verursachen könnte. Da greifen die meisten doch lieber zum Altbewährten - und zahlen zähneknirschend den höheren Preis. Lieber das, als das geliebte Auto zu riskieren. Abgesehen davon, dass viele Experten E10 die Umweltfreundlichkeit absprechen. Denn der neue Sprit ist nicht so effizient wie E5, der Verbrauch steigt also. Zudem beansprucht die Biospritproduktion immer mehr Ackerland, das für die Produktion von Nahrungsmitteln gebraucht wird. Lebensmittel werden also knapper und teurer.

Den MWV bringt das in Bedrängnis. Denn die Tankstellen müssen laut Gesetz eine bestimmte Menge E10 verkaufen, sonst werden Strafen verhängt. Nur deshalb ist auch das alte Benzin teurer als der "Bio-Kraftstoff". Und die Tankstellen haben ihre Lagerkapazitäten auf E10 ausgerichtet. Neben der Hauptsorte Super E10 kann daher nur noch eine kleinere Menge des Superbenzins mit 98 Oktan angeboten werden. Deshalb "laufen die Tankstellen Gefahr, bei E5-Kraftstoffen mit 98 Oktan leerzulaufen", so der MWV. Vielleicht erweist sich der neue Sprit dann doch als umweltfreundlich. Wenn es kein E5 mehr gibt, aber niemand das E10 will, bleibt nur noch eins: das Auto stehen zu lassen.