Film

Heidi schielt nach dem Oscar

Kurz nur konnte sich Paul, der Krake, vergangenes Jahr in seinem Ruhm sonnen, die Spielergebnisse bei der Fußball-Weltmeisterschaft vorhergesagt zu haben, treffsicherer als die so unfehlbare Wettmafia.

Nur drei Monate nach dem Abpfiff im Finale tat er selbst seinen letzten Schnaufer. Jetzt ist Heidi dran, das schielende Opossum aus dem Leipziger Zoo, und Heidi sieht trotz Sehbehinderung Nacht für Nacht in einer TV-Show in den USA die Oscar-Gewinner voraus, unerschrocken, einen nach dem anderen. Für Natalie Portman ("Black Swan"), Colin Firth ("The King's Speech") und den Film "127 Hours" hat Heidi sich schon entschieden, und man darf der Beutelratte mit dem aparten Silberblick wünschen, dass sie ihre so schicksalsschweren Pfotenschläge auf die Konterfeis der Stars nicht auch bald teuer bezahlen muss. Die Ähnlichkeiten zu Paul sind jedenfalls da - denn auch Heidi wurde gelockt wie der Orakel-Krake. Paul holte sich sein Leckerli aus einer Plastikschachtel mit der Flagge eines Landes. Heidi dagegen durfte zwischen mehreren Trauben wählen, die vor den Oscar-Statuen mit Pappbildern der jeweiligen Filme oder Stars lagen. Als Favorit galt der Film, dessen Traube Heidi zuerst verspeiste.

Das Opossum mit dem Sehfehler bewies damit zumindest bei der Wahl der Schauspieler Weitblick. Denn Portman und Firth gelten auch bei den Filmexperten als aussichtsreichste Kandidaten. Mit dem Überlebensthriller "127 Hours" hat der Star aus Sachsen sich jedoch für einen Außenseiter entschieden. Bessere Chancen auf den Titel als bester Film werden "The Social Network" und "The King's Speech" eingeräumt.

Montag früh wissen wir erst mal, ob Heidi recht hatte oder nicht. Mit Racheandrohungen der Unterlegenen ist zwar nicht zu rechnen. Bleibt jedoch zu hoffen, dass Heidi länger lebt als weitere drei Monate.