Libyen

Gaddafi verschanzt sich mit letzten Getreuen

Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi steht mit dem Rücken zur Wand. Nach Diplomaten, Regierungsmitgliedern und Soldaten wenden sich auch immer mehr Stämme von ihm ab. Gaddafi, der nicht kampflos aufgeben will, soll sich am Mittwoch mit vier Brigaden in Tripolis verschanzt haben.

In seiner ersten Stellungnahme zu der Eskalation in Libyen hat auch US-Präsident Barack Obama die Gewalt verurteilt. "Das Leiden und Blutvergießen ist abscheulich und inakzeptabel", erklärte er am Mittwoch in Washington. Seine Regierung werde alle Optionen ausschöpfen, um darauf zu reagieren.

Nach blutigen Kämpfen mit bis zu 1000 Toten flüchten Tausende Europäer, Amerikaner und Asiaten aus Libyen. Laut Außenminister Guido Westerwelle hielten sich am Mittwoch noch 250 Deutsche dort auf. Bundeswehr und Lufthansa planten weitere Sonderflüge, sagte eine AA-Sprecherin. Wegen der Krise in dem Ölförderland steigen die deutschen Benzinpreise.

Während sich Gaddafi an der Macht festkrallt, wird in Teilen des Landes schon gejubelt. Die Bewohner mehrerer Städte im Osten Libyens feierten am Mittwoch die "Befreiung" ihrer Region. Die Straßen der Hauptstadt Tripolis waren am Mittwoch weitgehend menschenleer.

Der ehemalige Botschafter Libyens bei der Arabischen Liga in Kairo, Abdulmoneim al-Honi, sagte der Zeitung "al-Hayat", der Sturz des Regimes von Gaddafi sei nur noch eine Frage von Tagen. Er rechne dennoch mit weiterem Blutvergießen, "denn dieser Mann ist zu allem fähig".

Die wüsten Drohungen Gaddafis gegen das eigene Volk alarmieren die Staatengemeinschaft. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, der Gaddafi bei einem 40 Minuten langen Telefonat ins Gewissen redete, sagte, einige der Ereignisse in Libyen "scheinen klare Verstöße gegen das internationale Recht und die Menschenrechte zu sein".