Plagiatsskandal

Guttenberg schreibt Doktortitel ab

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat am Freitag gleich zweimal unangenehme Statements abgeben müssen. Zum einen gab er zu, dass seine Doktorarbeit Fehler enthalte, und kündigte an, seinen Doktortitel ruhen zu lassen, bis die Plagiatsvorwürfe geklärt seien. Zum anderen entschuldigte er sich wenig später dafür, dass er einen Großteil der Hauptstadtjournalisten von seiner Stellungnahme ausgeschlossen hatte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Union stützten den Verteidigungsminister, während die SPD seinen Rücktritt forderte.

Guttenberg will sich bis zum Abschluss der Untersuchungen durch die Universität Bayreuth nicht mehr Doktor nennen. Er wehrte sich aber "mit allem Nachdruck" gegen die Vorwürfe, seine Doktorarbeit sei ein Plagiat. Zugleich gab er zu, die Dissertation enthalte "fraglos Fehler. Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten." Zu keinem Zeitpunkt habe er aber bewusst getäuscht oder bewusst Urheber nicht genannt.

Der 39-Jährige entschuldigte sich: Es tue ihm aufrichtig leid, falls sich jemand verletzt fühle. Den Doktortitel wolle er allerdings nur bis zum Ende der Untersuchungen in Bayreuth nicht verwenden. "Anschließend würde ich ihn wieder führen." Wenig später war auf seiner offiziellen Homepage der akademische Grad verschwunden. Guttenberg war seit Mittwoch wegen der Vorwürfe unter starken Druck geraten. Plagiatsjäger listen inzwischen im Internet mehr als 80 Textstellen auf, die er zitiert haben soll, ohne korrekt darauf hinzuweisen. Im schlimmsten Fall kann ihm dafür der Doktortitel aberkannt werden.

Die SPD fordert inzwischen den Rücktritt des Verteidigungsministers. "Guttenberg sollte sich ein Beispiel an der Rücktrittsankündigung seines Showmaster-Kollegen Thomas Gottschalk nehmen", sagte SPD-Fraktionsvorstandsmitglied Sebastian Edathy "Handelsblatt online". Die Grünen verlangten eine Erklärung Guttenbergs im Bundestag. Kanzlerin Merkel steht dagegen fest zu ihrem Verteidigungsminister. Der Minister habe seinen Fehler bedauert und zugesichert, dass er bei der Aufklärung der Vorwürfe mit der Universität Bayreuth zusammenarbeiten wolle, sagte Merkel im SWR. Damit habe er gezeigt, dass er mit der Angelegenheit "sehr offensiv" umgehe. Im Übrigen stehe sie zu Guttenbergs Arbeit als Verteidigungsminister "und zu ihm natürlich auch als Persönlichkeit". Der Minister sei mit einer Bundeswehrreform betraut, "die es in diesem Ausmaß überhaupt noch nicht gegeben" habe. "Dafür braucht er meine Unterstützung, und dafür bekommt er sie auch." CSU-Chef Horst Seehofer betonte, der Minister habe "die volle Solidarität und Unterstützung seiner Partei und seines Parteivorsitzenden". Auch die Mehrheit der Deutschen hält zu Guttenberg. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag von "RTL aktuell" sind 68 Prozent der Befragten gegen einen Rücktritt.

Unbeliebt machte sich Guttenberg dagegen am Freitag bei den Journalisten der Bundespressekonferenz (BPK), wo er für einen wohl beispiellosen Eklat sorgte. Die Journalisten saßen im Saal der Regierungspressekonferenz in Mitte, als Guttenberg seine Stellungnahme abgab. Das tat er jedoch überraschend im Verteidigungsministerium in Tiergarten und dort nur vor ausgewählten Medienvertretern. Die Journalisten der BPK reagierten empört und verließen schließlich fast geschlossen den Saal. Nach einem Protestbrief der BPK entschuldigte sich der Minister auch für diesen Lapsus.