Jugendgewalt

Brutaler Überfall in U-Bahnhof: Zeuge rettete zweites Opfer

Bei der brutalen Prügelattacke auf dem Bahnhof Lichtenberg am vergangenen Freitag hat offenbar das beherzte Eingreifen eines unbekannten Mannes noch Schlimmeres verhindert. Die Polizei sucht jetzt einen Zeugen, der einen der beiden Angegriffenen beschützte.

Neuen Erkenntnissen der Polizei zufolge verfolgte einer der vier Schläger, nachdem sie einen Mann zu Boden geprügelt hatten, dessen Begleiter, als dieser ins Freie floh.Der Schläger kehrte dann jedoch zu seinen Komplizen zurück. Mit ihnen schlug und trat er auf den am Boden liegenden 30 Jahre alten Maler aus Spandau ein.

Als die Täter später ebenfalls den Bahnhof verließen, um die Jacke des Opfers zu entsorgen, entdeckten sie den zweiten Maler und griffen ihn wiederholt an. Diesem kam jedoch ein großer und kräftiger Mann zu Hilfe. Er stellte sich schützend vor den Verfolgten, drohte den Tätern und forderte sie auf, den Mann in Ruhe zu lassen. Die Jugendlichen flüchteten, da der Unbekannte "offensichtlich Furcht einflößend wirkte", wie die Polizei mitteilt. Durch das couragierte Auftreten des Mannes sei dem Maler vermutlich ein ähnliches Schicksal wie seinem Kollegen erspart geblieben.

Die Identität des Helfers ist noch unbekannt. Die Polizei bittet diesen Zeugen dringend, sich zu melden. Bei dem Mann soll es sich um einen Angehörigen des Rockerklubs Bandidos handeln. Die Polizei wollte dies zunächst nicht bestätigen.

Unterdessen haben Politiker schnelle und harte Strafen für die Täter gefordert. "Die Gerichte müssen schnell und konsequent urteilen. Wir brauchen das als klares Signal in den Sozialraum. Zwei Jahre auf Bewährung sind wie ein Freispruch", sagte Heinz Buschkowsky, Bürgermeister von Neukölln. Der Bezirk arbeitet seit Jahren sehr eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen, um schnelle Strafen auf die Taten Jugendlicher folgen zu lassen. Auch der Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl der CDU, der Partei- und Fraktionsvorsitzende Frank Henkel, forderte harte Strafen. Es wäre zudem ein falsches Signal, jugendlichen Gewalttätern nach der Verkündung des Haftbefehls eine Haftverschonung zu gewähren.

Schon am Vortag hatte sich Innensenator Ehrhart Körting (SPD) für ein "Ausschöpfen der rechtlichen Möglichkeiten" in dem Fall der Schläger von Lichtenberg ausgesprochen. Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Robbin Juhnke, erneuerte die Forderung seiner Partei nach geschlossenen Heimen für jugendliche Straftäter.

Das Opfer der Schläger liegt immer noch im künstlichen Koma, in das es die Ärzte versetzt hatten. Der Mann habe "schwere Kopfverletzungen" erlitten, sagte ein Sprecher des Unfallkrankenhauses Marzahn am Donnerstag. Sein Zustand sei "nach wie vor kritisch".

Die Polizei hatte am Dienstag vier Jugendliche unter dringendem Tatverdacht festgenommen, nachdem sie durch Bilder einer Überwachungskamera auf deren Spur gekommen war. Die vier mutmaßlichen Täter im Alter von 14 bis 17 Jahren haben der Staatsanwaltschaft zufolge die Tat gestanden. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Gegen die aus Einwandererfamilien stammenden Jugendlichen wird wegen versuchten gemeinschaftlichen Raubmordes ermittelt.

Ein neuer Vorfall schwerer Jugendgewalt ereignete sich auch in Reinickendorf. Aus einer Gruppe von mehr als 15 Jugendlichen heraus schlugen und traten am Mittwochabend drei Unbekannte so heftig auf einen 13-Jährigen ein, dass dieser stationär im Krankenhaus behandelt werden muss.