Superquiz

Wer wird Millionär? Der Computer

Als der Computer "Deep Blue" 1997 den amtierenden Schachweltmeister Garry Kasparow besiegte, staunte die Welt. Dabei war das eigentlich nur eine Frage der Zeit.

Schach ist ein formalisiertes Spiel, bei dem eine Maschine, die innerhalb weniger Sekunden Millionen mögliche Züge durchrechnet, die Intuition eines Schachspielers durch bloße Schnelligkeit übertrumpfen kann. Wesentlich erstaunlicher ist vordergründig, dass nun ein neuer Supercomputer namens "Watson", der wie "Deep Blue" aus dem Hause IBM stammt, bei der US-Quizshow "Jeopardy!" die beiden Rekordchampions Ken Jennings und Brad Rutter geschlagen hat. Denn bei "Jeopardy!" wird nicht nur Wissen abgefragt, sondern es kommt auch auf sprachliche Kompetenz und Wortwitz an.

In dem Quiz wird den Kandidaten eine Antwort präsentiert, und sie müssen dann eine Frage dazu formulieren. So lautete eine der Antworten: "Das 4000 Jahre alte Vedisch ist der älteste Dialekt dieser klassischen Sprache in Indien." "Watson" formulierte dazu die Frage: "Was ist Sanskrit?" Am Ende kassierte die Maschine 77 147 Dollar, während seine Konkurrenten Jennings und Rutter mit 24 000 beziehungsweise 21 600 Dollar heimgingen.

Ist damit die Machtübernahme der intelligenten Computer ein Stück näher gerückt? Drohen uns nun schon bald Horrorszenarien wie Stanley Kubricks Film "2001. Odyssee im Weltraum", wo ein Rechner namens HAL (eine Anspielung auf IBM - mit jeweils dem vorangehenden Buchstaben im Alphabet) Menschen sogar tötet? Wohl eher nicht. Denn "Watsons" Sieg beweist nur, was Linguisten schon lange wussten: Auch Sprache ist ein formales System, das sich in Rechenoperationen ausdrücken lässt. Aber die wahren Schwierigkeiten fangen erst jenseits der Sprache an, dort, wo Bewegung und kulturelle Kompetenz ins Spiel kommen. Und daran ist die sogenannte Künstliche Intelligenz (KI) noch immer gescheitert. Bis heute gibt es keinen computergesteuerten Roboter, der auch nur in der Lage wäre, eine Toilette zu putzen.