Morgenpost-Umfrage

Berlin-Trend: Schwarz-Grün könnte Wowereits Senat ablösen

Im Rennen um das Abgeordnetenhaus, das in den vergangenen Monaten vor allem von SPD und Grünen dominiert wurde, holt die CDU nun auf. Während alle anderen Parteien an Zustimmung bei den Berlinern verlieren, kann die Union deutlich zulegen.

Das hat der Berlin-Trend von Infratest Dimap im Auftrag der Berliner Morgenpost und der RBB-"Abendschau" ergeben. Die hauchdünne Mehrheit der Regierungsparteien SPD und Linke, die sie noch im Januar für eine Fortsetzung ihres Bündnisses hinter sich hatten, ist demnach verloren. Wenn am Sonntag Abgeordnetenhauswahl in Berlin wäre, hätte nun eine Koalition von Grünen und CDU eine Mehrheit.

Im Vergleich zum letzten Berlin-Trend im Januar hat sich die SPD um einen Prozentpunkt verschlechtert. Sie bleibt aber stärkste Partei und liegt nun bei 28 Prozent der Stimmen. Damit können die Sozialdemokraten weiter an das hohe Niveau anknüpfen, das sie nach einer Schwächephase im Herbst zum Jahresbeginn wieder erreicht hatten. Der Absturz der SPD, der rund um die Nominierung der Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast im Sommer 2010 eingesetzt hatte, scheint für die Regierungspartei Vergangenheit zu sein.

Auch die Linkspartei verliert einen Prozentpunkt. Für sie sprechen sich nur noch 16 Prozent der Befragten aus. Im Herbst, als die SPD gegenüber den Grünen deutlich an Stimmen verloren hatte, war die Linke stabil geblieben - jetzt rutscht die Partei in der Gunst der Befragten erstmals seit dem Sommer wieder ab. Mit zusammen 44 Prozent würde Rot-Rot nach dieser Umfrage keine Mehrheit mehr im Abgeordnetenhaus hinter sich wissen.

Bündnisfähig wären dagegen die CDU und die Grünen, für die sich zusammen 46 Prozent der Befragten aussprachen. Erstmals jedoch liegen beide Parteien mit jeweils 23 Prozent gleichauf in der Wählergunst. Die Grünen verschlechtern sich mit diesem Ergebnis allerdings deutlich - sie verlieren zwei Prozentpunkte gegenüber der Umfrage von Januar. Seit ihrem Höhenflug im Oktober, bei dem sie noch 30 Prozent Zustimmung errungen hatten, verlieren die Grünen kontinuierlich.

Die CDU kann sich über einen kräftigen Zuwachs von drei Prozentpunkten freuen. Auch sie hatte wie die SPD im Herbst in den Umfragen viele Wähler an die Grünen verloren. Nun ist sie auf dem Weg, zu den besseren Werten von vor einem Jahr zurückzufinden. Die Berliner CDU ist nun sogar stärker als bei der letzten Abgeordnetenhauswahl 2006, als sie 21,3 Prozent der Stimmen bekam.

Die FDP steckt weiter tief in der Krise. Sie verliert erneut einen Punkt und würde mit drei Prozent der Wählerstimmen den Einzug ins Abgeordnetenhaus deutlich verpassen. Berlin hätte demnach ein Vier-Parteien-Parlament. Die sonstigen Parteien kommen zusammen auf sieben Prozent und legen zwei Punkte zu. Etwa zwei Prozent dieser Stimmen können jeweils die Piraten und die NPD für sich verbuchen.

Auch im direkten Vergleich verliert die SPD, wenn auch nur leicht. Könnten sich die Berliner unmittelbar für den Senatschef entscheiden, würde Klaus Wowereit im Rennen mit Renate Künast einen Punkt verlieren und 53 Prozent der Stimmen erhalten. Seine Herausforderin gewinnt dagegen wieder um zwei Punkte an Zustimmung und liegt bei 30 Prozent. Bei einer Direktwahl gegen CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel käme Wowereit auf 62 Prozent, Henkel nur auf 24.