Dissertation

Plagiatsvorwürfe bringen Guttenberg in Bedrängnis

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird vorgeworfen, bei seiner Doktorarbeit zahlreiche Passagen aus Zeitungen und wissenschaftlichen Publikationen abgekupfert zu haben.

Er übernahm unter anderem fast wortgleich Formulierungen aus einem Aufsatz der Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig. "Es ist mir unverständlich, wie man sich solch eine Blöße geben kann", sagte Zehnpfennig der Berliner Morgenpost. Der CSU-Politiker habe sich "dumm" verhalten.

Guttenberg erhielt im Jahr 2007 für seine juristische Dissertation die Bestnote "summa cum laude". Der Bremer Jura-Professor Andreas Fischer-Lescano stellte bei einer Überprüfung allerdings fest, dass Guttenberg in der 475 Seiten starken Schrift mehrmals andere Autoren zitiert, ohne dies zu kennzeichnen. Die Zahl der gefundenen Passagen reiche, um von einem "Plagiat" zu sprechen, sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Minister Guttenberg schließt Fehler beim Zitieren in seinem wissenschaftlichen Werk nicht aus, bezeichnete die Plagiatsvorwürfe jedoch als "abstrus". Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte vor einer Vorverurteilung.

Die Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft der Uni Bayreuth leitete am Mittwoch ein Verfahren zur Prüfung der Vorwürfe ein. Im Zuge dieses Vorgangs, der zur Aberkennung des Doktortitels führen könnte, muss Guttenberg sich nun schriftlich erklären.

Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle wies in der "Bild"-Zeitung die Vorwürfe zurück. "Die Arbeit ist kein Plagiat. Sie wurde von mir in zahlreichen Beratungsgesprächen eingehend kontrolliert", sagte der Staatsrechtler.

Am späten Mittwochabend wurde bekannt, dass Guttenberg überraschend in Afghanistan eingetroffen ist. Ziel sei der Besuch von dort stationierten Bundeswehr-Soldaten, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Im Gegensatz zu früheren Afghanistan-Reisen wird Guttenberg dieses Mal nicht von Journalisten begleitet.