GM droht mit Insolvenz

Opel-Krise: Merkel will mit Obama reden

Nach der überraschenden Absage des Verkaufs von Opel schlägt dem US-Autoriesen General Motors (GM) in Deutschland massiver Widerstand entgegen. Politiker und Gewerkschafter äußerten gestern große Sorge um die Zukunft der 25 000 Arbeitsplätze in Deutschland und der vier deutschen Werke von Opel.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, er könne sich vorstellen, dass Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Barack Obama bald miteinander telefonieren. Dabei werde die Regierungschefin auf die Rückzahlung des noch fälligen Brückenkredits von knapp einer Milliarde Euro drängen und eine zügige Vorlage des Sanierungsplans fordern. Wilhelm sagte, mit dem Wegfall der Investorensuche sei auch die Geschäftsgrundlage für den Brückenkredit entfallen. GM Europe sagte die Rückzahlung bereits zu. Der Regierungssprecher fügte hinzu, die Art des Umgangs mit den Opel-Beschäftigten sei "nicht akzeptabel". Erst nach Vorlage des Sanierungsplans könne über eine weitere finanzielle Unterstützung für Opel entschieden werden.

Ähnlich äußerte sich das Wirtschaftsministerium von Rainer Brüderle (FDP). Brüderle selbst sprach ebenfalls von einer "völlig inakzeptablen" Entscheidung. Man werde sich von GM nicht unter Druck setzen lassen, so Brüderle weiter.

GM will bei der Sanierung offenbar auf seinen Plan von Ende 2008 zurückgreifen, der eine Senkung der Fixkosten um 30 Prozent vorsah. GM-Vize John Smith teilte am Abend mit, dass europaweit bei Opel etwa 10 000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Für den Erhalt des Opel-Werks Bochum gebe es einen sehr interessanten Vorschlag, die Fabrik in Antwerpen werde wahrscheinlich geschlossen. Er hoffe, dass man zum Ende des ersten Quartals einen Restrukturierungsplan vorlegen könne.

Der Opel-Betriebsrat kündigte Protestaktionen an. Betriebsratschef Klaus Franz sagte: "Den Weg zurück zu General Motors werden wir nicht mitgestalten." Die IG Metall zog ihre Zugeständnisse im Volumen von 265 Millionen Euro zurück, die die Arbeitnehmer Magna gemacht hatten. An den vier deutschen Opel-Standorten Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern wollen die Beschäftigten heute protestieren. Ab morgen soll es europaweit Kundgebungen geben.

GM-Chef Fritz Henderson drohte im Gegenzug mit Insolvenz, falls sich die Beschäftigten gegen die Sparrunden sperren würden: "Ein Scheitern der Restrukturierung würde in eine Insolvenz münden - was für alle Beteiligten unnötig und unerwünscht wäre."